Verwirrung über Zahl der Entführer von türkischem Flugzeug

6. Oktober 2006, 15:32
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Türkisches Justizministerium spricht von zwei Tätern - Italienische Behörden: Unbewaffneter Einzeltäter

Brindisi - Nach dem unblutigen Ende der Entführung eines türkischen Flugzeugs nach Italien hat am Mittwoch Verwirrung über die Zahl der Luftpiraten geherrscht. Staatsanwalt Giuseppe Giannuzzi erklärte in Brindisi, es habe sich um einen unbewaffneten Einzeltäter gehandelt. Das türkische Justizministerium sprach jedoch von zwei Tätern. Ankara werde in Rom nachfragen, ob beide festgenommen worden seien, um deren Auslieferung beantragen zu können. Der Ermittlungsleiter in Brindisi sagte jedoch, es befinde sich nur ein Mann in Gewahrsam.

Sicherheit des Papstes gefährdet

Die Entführung löste am Mittwoch Sorgen um die Sicherheit von Papst Benedikt XVI. bei seinem bevorstehenden Besuch in der Türkei aus. Die italienischen Behörden teilten mit, der türkische Entführer habe eine Botschaft an Papst Benedikt XVI. richten wollen. Innenminister Giuliano Amato erklärte in Rom, der Mann fürchte nach eigenen Angaben um seine Sicherheit, weil er zum Christentum übergetreten sei. Einen Brief an den Papst habe der Luftpirat jedoch nicht bei sich gehabt. Der Zwischenfall zeige, wie fragil die türkische Luftsicherheit sei. Der italienische Innenminister verwies in diesem Zusammenhang auf den bevorstehenden Papst-Besuch in der Türkei, der heikle Sicherheitsfragen aufwerfe.

Der türkische Botschafter in Rom, Ugur Ziyal, betonte, für den Papst-Besuch würden alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Besondere Risiken für Benedikt gebe es nicht. "Der Papst wird herzlich willkommen geheißen", zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu Ziyal.

Tathergang

Der Mann hatte die Maschine der Turkish Airlines von Albanien nach Istanbul am Nachmittag im griechischen Luftraum unter seine Kontrolle gebracht. Zunächst war von zwei Luftpiraten die Rede gewesen. Der Mann sei ins Cockpit vorgedrungen und habe gerufen "Wir sind zu zweit", teilten die italienischen Behörden mit. Deshalb sei man zunächst davon ausgegangen, dass es sich um zwei Entführer handle.

Der Pilot der Boeing 737-400 setzte über dem griechischen Luftraum einen Notruf ab. Er berichtete, er habe zwei Personen an Bord, "die nach Italien wollen, um den Papst zu sehen und ihm eine Botschaft zu überbringen". Jets der italienischen Luftwaffe eskortierten die Maschine nach Brindisi, wo der Luftpirat aufgab. Bei einer Durchsuchung des Flugzeugs wurden keine Waffen gefunden, wie die italienischen Behörden mitteilten. Die Passagiere wurden nach einer Befragung am frühen Mittwochmorgen in die Türkei geflogen. (APA/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Passagiere des entführten Flugzeuges wurden nach der Landung von den Medien bestürmt.

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