"Der Dreier ist sicher die Obergrenze"

19. Oktober 2006, 12:50
2 Postings

Lohnrunde für 180.000 "Metaller": Ein Dreier vor dem Komma wie im Vorjahr gilt bei Wirtschaftsforschern heuer als die absolute Obergrenze

Wien – Die Prognose für das Wirtschaftswachstum fällt höher aus, als zu Jahresmitte erwartet, und die Inflation um bis zu einem halben Prozentpunkt niedriger: Die Jubelmeldungen der (scheidenden) Regierung kamen den Verhandlern der Metallerherbstlohnrunde am Dienstagnachmittag gerade recht.

Dennoch warnen Wirtschaftsforscher vor Übermut. Wohl sei die Konjunktur mittlerweile robust und auch das Sorgenkind Binnennachfrage lege konstant zu, man wisse aber nicht exakt, wie viel davon auf die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland zurückzuführen sei, hieß es am Dienstag im Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. 2007 sei auf jeden Fall mit einer leichten Dämpfung zu rechnen.

"Der Dreier dürfte heuer wirklich die absolute Obergrenze sein", rechnet Wifo-Einkommensexperte Alois Guger im Gespräch mit dem STANDARD vor. Denn die Nettolöhne würden wohl etwas zurückbleiben, weil die Progression gestiegen sei, dafür sei aber die Inflation niedriger.

Binnenausgleich gesucht

Besonders schwierig sind die Verhandlungen in Zeiten anhaltender Stahlkonjunktur und Rekordgewinnen, weil die Tarifgemeinschaft einen Binnenausgleich braucht. Während Stahlerzeuger wie Voestalpine und Böhler-Uddeholm Überschüsse produzieren und selbst enorme Rohstoffpreissteigerungen weiterverrechnen können, stöhnen die Maschinen- und Metallwarenerzeuger unter steigenden Preisen wie nie zuvor. Im Vorjahr hat die 3,1-prozentige Lohnerhöhung fast den Fachverband gesprengt, weil sich die Metallverarbeiter von den Erzeugern im Stich gelassen fühlten.

Als Kompromiss können sich manche Arbeitgeber eine "etwas üppigere Einmalzahlung" vorstellen, mit der man gegebenenfalls sogar die Dreiprozentmarke schrammen könnte. Eine Einmalzahlung sieht auch Wifo-Experte Guger als Ausweg, die würde nicht jahrelang nachwirken, wäre aber eine Art Leistungsprämie. Guger vermutet, dass auch die zuletzt wenig eingesetzte Verteiloption, durch die die KV-Erhöhung moderater ausfällt, wenn ein Teil der Lohnsumme innerbetrieblich an Leistungsträger verteilt wird, zum Einsatz kommen wird. Der Chefverhandler der Arbeitgeber, Leitz-Boss Hermann Haslauer, kann sich "vieles vorstellen, will darüber aber ausschließlich mit den Arbeitnehmervertretern und sicher nicht mit dem Medien verhandeln".

Gutes Investitionsjahr

Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten sieht wenig Grund für Flexibilität: "Geht's den Großen gut, geht's auch den Kleinen gut." Ein Lohn- und Gehaltsimpuls für Österreichs Konjunktur sei wichtig und auch angebracht. Außerdem sei bei der von der Industrie vorgelegten Konjunkturumfrage keine einzige Zahl mit einem Minus versehen gewesen, 2006 sei außerdem ein außerordentlich gutes Investitionsjahr. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.20.2006)

Share if you care.