FPÖ übernahm die alte Hochburg, BZÖ Kärnten

3. Oktober 2006, 17:51
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ÖVP schnitt wieder in kleinen Bergdörfern am besten ab, die SPÖ im steirischen Selzthal - BZÖ in 31 Gemeinden ohne Stimme

Wien - Nicht viel geändert hat sich bei der Nationalratswahl am Sonntag an den Hochburgen der Parteien. Die FPÖ übernahm die "alte" FPÖ-Hochburg St. Georgen am Fillmannsbach - und das BZÖ dafür Kärnten mit der Gemeinde Mühldorf als Hochburg. Der SPÖ brachte wieder der steirische Eisenbahnknotenpunkt Selzthal das beste Ergebnis, der ÖVP das Tiroler Bergdorf Hinterhornbach.

78,4 Prozent war - nach dem vorläufigen Endergebnis - das beste Gemeinde-Resultat der SPÖ, in Selzthal. Auch die nächsten beiden Hochburgen liegen in der Steiermark: Die südsteirische Gemeinde Retznei und Vordernberg im Bez. Leoben. Nach wie vor fährt die SPÖ ihre besten Ergebnisse in durchaus größeren Gemeinden mit mehr als 1.000 Wahlberechtigten ein. Die frühere Hochburg Tschanigraben, der kleinste burgenländische Ort, findet sich heuer übrigens erst auf Platz 17.

Die Hochburgen der ÖVP sind hingegen Klein- und Kleinstgemeinden in Tirol und Vorarlberg. Die drei besten Ergebnisse brachten heuer drei Außerferner Gemeinden mit deutlich weniger als 100 Wahlberechtigten: Hinterhornbach, Jungholz und Gramais. Das waren die drei einzigen Gemeinden, wo die ÖVP über 90 Prozent kam, das beste Ergebnis waren 92 Prozent in Hinterhornbach. 100 Prozent schwarz wählte heuer keine Gemeinde mehr. 2002 war das noch in der Kleinstgemeinde Kaisers im Bez. Reutte der Fall, heuer gab es dort nur mehr etwas mehr als 80 Prozent für die ÖVP.

Das beste Ergebnis der FPÖ waren 35,12 Prozent - wieder in der bekannten blauen Hochburg St. Georgen am Fillmannsbach, einer Innviertler Gemeinde mit einem FPÖ-Bürgermeister. In der blauen "Hitparade" folgen die Salzburger FPÖ-Hochburg Thomatal (28,4) und auf Platz 3 wieder eine oberösterreichische Gemeinde, Mehrnbach (Bez. Ried im Innkreis) mit 27,9 Prozent.

Das über das Kärntner Ergebnis in den Nationalrat gekommene BZÖ hat seine Hochburgen natürlich in Kärnten - und übernahm dort auch die früheren FPÖ-Hochburgen. Wie früher die geeinte FPÖ bekam auch das BZÖ seine besten Resultate in Mühldorf (40,5) und Deutsch-Griffen (40,3). Die FPÖ hat hingegen nirgendwo die 40 Prozent-Marke erreicht. Die erste Nicht-Kärntner Gemeinde in der "Hitparade" des BZÖ liegt auf Platz 180 - und ist die Vorarlberger Gemeinde Thüringerberg, der Wohnort des gf. BZÖ-Landesobmannes Harald Kaufmann.

Eine Kärntner Gemeinde verweigerte sich dem gesamten Dritten Lager - nämlich Zell-Pfarre (Bez. Klagenfurt-Land): Für das BZÖ brachte die slowenische "Paradegemeinde" mit 4,0 Prozent das magerste Kärntner Ergebnis, für die FPÖ das bundesweit fünf-schwächste von 0,71 Prozent. Dafür ist es für die Grünen mit 23,5 Prozent die erste Hochburg außerhalb Wiens.

Denn auf den Plätzen 1 bis 7 liegen in der Grünen "Hitparade" die Wiener Bezirke Neubau (mit dem Spitzenergebnis von 35,5 Prozent), Josefstadt und Mariahilf mit ebenfalls über 30 Prozent und danach Alsergrund, Wieden und Währing.

Die KPÖ hat ihre besten Ergebnisse nicht nur in der Steiermark - wo sie bei Gemeinde- und Landtagswahlen zuletzt ja überraschend erfolgreich war - eingefahren, sondern auch in Tirol. Den Spitzenwert brachte Polling in Tirol mit 7,3 Prozent, gefolgt von zwei steirischen Gemeinden, Trofaiach und Pressguts. In Graz, wo die KPÖ auf ein Direktmandat gehofft hatte, kam sie auf 3,3 Prozent. Im Vorarlberger Ort Dünserberg wählten 3,7 Prozent die KPÖ, während die SPÖ keine einzige Stimme bekam.

Auch wenn es heuer für keine Partei eine 100-Prozent-Gemeinde gab, gab es für die meisten doch Null-Prozent-Gemeinden. Nur die ÖVP bekam überall zumindest ein paar Stimmen. Und das BZÖ hat unter den fünf Parlamentsparteien die meisten "Nuller": In 31 Gemeinden wählte niemand orange. Bei FPÖ und Grünen waren es nur drei, bei der SPÖ eine Gemeinde (Dünserberg), wo sie keine einzige Stimme bekamen.

Die höchsten Ergebnisse bekam die ÖVP in ihren "kleinen" Hochburgen: Sie kam in drei Gemeinden über 90, in 16 zwischen 80 und 90 Prozent der Stimmen und in weiteren 66 zwischen 70 und 80 Prozent. Die SPÖ kam nicht an 80 Prozent heran - und in nur sieben Gemeinden über 70 Prozent. Sie sammelte viele Stimmen im mittleren Bereich - so liegt die SPÖ in rund 730 Gemeinden zwischen 20 und 30 Prozent, die ÖVP in nur 286. (APA)

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