Kaution lässt auf sich warten

4. Oktober 2006, 11:01
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Die eine Million Euro ist noch nicht bei Gericht eingetroffen. Unterdessen überlegt Elsners Familie, ihn privat bewachen zu lassen

Wien – Dass Überweisungen innerhalb der EU bald nur noch einen Banktag dauern dürfen, wird Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner nicht sehr trösten. Seit Montag wartet er in Südfrankreich auf jene Million Euro, die ihm in die Freiheit verhelfen sollen. Allein, das Geld, das Elsners Freund, der Wiener Unternehmer Martin Schlaff, laut seinem Sprecher "am Montag Früh an die französische Justiz" überwiesen hat, ist bis dato noch nicht aufgetaucht.

Die Frage, von welcher Bank der Betrag angewiesen wurde, wollte Schlaffs Sprecher nicht beantworten, "ein Bawag-Konto ist es aber nicht", stellt Elsners Wiener Anwalt, Wolfgang Schubert, im Gespräch mit dem STANDARD klar.

Ansturm befürchtet

Elsner selbst liegt nach wie vor in Marseille im Spital, sobald die Kaution eintrifft, ist er ein freier Mann. Genau das bereitet seinen Anwälten Kopfzerbrechen: Sie fürchten einen Ansturm von Journalisten in der Sekunde, in der die Polizisten, die Elsner derzeit noch bewachen, abgezogen werden.

Laut Schubert muss der französische Anwalt des Ex-Bankers sicherstellen, dass Elsner in diesem Fall nicht von den Medienvertretern "behelligt und verfolgt wird". Es sei bereits angedacht worden, private Sicherheitsleute zu beschäftigen.

Die Familie – genauer Elsners Tochter Marie-Therese und seine Frau Ruth – darf den Ex-Bawag-Chef inzwischen auch besuchen. Die notwendigen Genehmigungen dafür sind jetzt ausgestellt, das Procedere ist nicht unkompliziert, aber das wäre es ja auch im Gefängnis nicht.

Zutrittskontrolle

Die Besucher müssen im Krankenhaus einen Termin vereinbaren, das Gefängnis, dem Elsner zugeteilt ist, verständigen, dann ruft dessen Verwaltung im Spital an, gibt Namen, Aktenzahlen, Personendaten durch, und dann ist der Zutritt zu Elsner frei.

Wie es Elsner derzeit geht, weiß sein Wiener Anwalt übrigens nicht, "keine Ahnung". Auch Ruth Elsner habe bisher "keine Auskunft vom Spital bekommen. Sie hat dann gefragt, ob man ihr wenigstens sagen kann, dass er noch lebt. Auch das wurde nicht beantwortet", erzählt Schubert.

Gutachten bis 10. Oktober

Der weitere Fahrplan seht jedenfalls schon fest: Bis zum 10. Oktober müssen die Ärzte ihr Gutachten über Elsners Gesundheitszustand fertig haben, am 17. Oktober entscheidet das Gericht in Aix-en-Provence endgültig, ob der 71-Jährige transportfähig ist. Sollte er das sein, dann wird er als Überstellungshäftling nach Wien geholt.

Hier könnte ihn zu diesem Zeitpunkt schon eine Anklageschrift erwarten: Die wird derzeit noch im Ministerium begutachtet. Vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Aufträge an die Staatsanwaltschaft, ginge es danach sehr schnell: Innerhalb von ein bis drei Tagen würde die Anklage zugestellt.

Ein Moment, auf den sich Elsners Anwalt Schubert "jetzt schon freut: Dann kann ich endlich den Akt einsehen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2006)

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