Wer wagt, gewinnt

3. Oktober 2006, 01:00
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Russland hat eine enorme Entwicklung hinter und wahrscheinlich noch vor sich – Wer sich jetzt traut zu investieren, hat gute Chancen auf gute Erträge

Zuletzt erschütterte die Nachricht über den Mord am obersten Bankenaufseher und Vizechef der Zentralbank, Andrej Koslow, die Fachwelt. Mitte September wurde der als Saubermann der Branche bekannte Zentralbanker erschossen. Die russische Führung zeigte sich entsetzt über die Ermordung des Vorzeige-Beamten. "Er hat mehr als einmal die Interessen zwielichtiger Bankiers durchkreuzt", sagte Finanzminister Alexej Kudrin russischen Medien. Zahlreiche Kleinbanken, die nach Expertenmeinung vor allem dazu dienen, die Finanzgeschäfte einzelner Oligarchen zu führen und bei Bedarf zu verschleiern, ließ Koslow schließen, weitere standen auf seiner Liste.

Nachrichten wie diese lassen viele Unternehmen vor einem Engagement in Russland zurückschrecken. Korruption oder fehlende Rechtssicherheit verunsichern. Laut Angaben der internationalen Organisation Transparency International (TI) versucht zumindest jeder fünfte Russe, durch Bestechungsgelder seine Probleme zu lösen. Die russischen TI-Vertreter gehen allerdings von einer viel höheren Zahl, nämlich rund 56 Prozent aus.

Wer wagt, gewinnt

Doch wer wagt, hat gute Erfolgsaussichten. Die sind auf dem Markt so groß wie nie zuvor. Der Staat schwimmt in Geld. Im August zahlte man den Großteil aller Schulden zurück, darunter auch alte Forderungen aus Zeiten der Sowjetunion. Russland ist heutzutage schuldenfrei - Schulden von 60 Milliarden Dollar stehen Zentralbankreserven von 270 Milliarden Dollar gegenüber. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg dagegen von 2000 bis 2005 im Schnitt um sechs Prozent. "Die Wirtschaft wächst 2006 um 6,6 Prozent, erwartet werden über 7 Prozent 2007, trotz sinkender Ölpreise", sagt Alexandre Dimitrov, Manager des Capital Invest Russia Fonds, der es in der Halbjahresfondsbilanz von e-fundresearch.com als einziger österreichischer Investmentfonds unter die Top-30 (+16,3 Prozent/Platz 29) schaffte.(Insgesamt erzielten Aktienfonds aus Australien, China oder Russland dabei das größte Plus mit bis zu 23 Prozent).

Enorme Entwicklung

"Viele sprechen von China, aber Russland hat eine enorme Entwicklung hinter sich". lobt der Fondsmanager: "Der russische Markt ist enorm gewachsen (über 800 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung; durchschnittlich 2,5-3Milliarden Dollar Tagesumsatz nur bei Aktien). Die treibende Kraft dahinter waren nicht internationale, sondern lokale, russische Investoren, die in ihrem eigenen Land investieren. Das schätzen wir als sehr positiv für den Markt. Allein in 2006 wurden schon IPO und Aktien-Listings im Wert von 15,5 Milliarden Dollar plaziert. Mit einem KGV von etwa 11 ist der Markt billig und bietet enorme Möglichkeiten" ist er von den Ertragschancen überzeugt. "Trotz der hohen Volatilität ist der russische Markt derzeit attraktiv sowohl in makroökonomischer Hinsicht, als auch bezüglich der Industrieentwicklung", unterstütz ihn Elena Loginova, CEO der zur Gruppe der Deutschen Bank zählenden DWS Investments Russia: "Viele russische Aktien werden noch mit ansehnlichen Abschlägen gehandelt", begründet sie ihren Optimismus. Sie dürfte mit der Ansicht richtig liegen, denn der DWS Russia eilt von einem Rekordhoch zum anderen.

Ölpreisverfall ändert nichts

Der Preisverfall beim Öl drückte zwar den russischen Aktienindex RTX, der von Ölaktien dominiert wird, etwas. In den vergangenen Wochen musste er einen Teil der Gewinne abgeben. Ein kurzer Preisverfall auf dem Ölmarkt ändert nichts an den positiven Perspektiven Russlands, dem zweitgrößten Öllieferanten der Welt. Ganz im Gegenteil glaubt Dimitrov: "Der Ölpreis ist wichtig, aber hauptsächlich für die Steuereinnahmen und das Budget. Niedriger Preis – niedrigere Steuereinnahmen. Für die Wirtschaft könnte der fallende Ölpreis sogar sehr positiv sein, weil der Druck, den Rubel aufzuwerten nicht so groß sein wird. Die Inflation könnte schneller unter Kontrolle gebracht werden. Das alles wird sich sehr positiv auf die lokale Industrie auswirken."

Nicht nur Ölaktien performen

Und die Aktien mit den besten Performances seien nicht nur - wie von vielen angenommen -die Ölaktien, sondern Banken (Sberbank, Rosbank), Versorger (UES), Basisindustrie (Norilsk Nikel, Polyus), Konsum (RBC, Magnit). Die Favoriten der DWS-Fondsmanager finden sich laut Elena Loginova unter "Öl- und Gas-, Metall-, Minen- und Telekomwerten." Etwas breiter ist das Interessensgebiet von Alexandre Dimitrov: "Finanztitel (Banksektor wird liberalisiert, Rubel ist schon frei konvertierbar), Konsum (steigt um 10-15 Prozent p.a.), Versorger (enorme Möglichkeiten), Telekom bieten uns Finanzinvestoren enormes Potenzial. Das Land ist mit 145 Millionen potenziellen Kunden mehr als groß genug, um Investoren anzulocken." Selbst Energie ist nicht abzuschreiben glaubt er: "Russland beliefert derzeit nur Europa. Energiesicherheit ist ein Thema für die EU, aber auch für Russland. Nachdem die EU den eigenen Markt für die Russen nicht öffnet, wird Russland früher oder später beginnen andere Märkte zu erschließen (China, Asien), die sowieso wirtschaftlich sehr interessant (sprich profitabel) sein können."

Die Zukunft

Die Zukunft sieht Alexandre Dimitro rosig: "Ich glaube Russland wird generell unterschätzt. Vielleicht ist das Land keine Supermacht mehr, aber es hat eine enorme Entwicklung hinter sich. Das Land hat keine Schulden und die dritt höchsten Zentralbankreserven der Welt (nach China und Japan). Russland bekommt jetzt die Möglichkeit zu investieren – im In- und im Ausland, was sich früher oder später auszahlen wird. Groß bedeutet nicht reich, aber meiner Meinung nach ist das Land auf dem richtigen Weg wirtschaftlich ‚aufzuerstehen’." (Regina Bruckner)

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    Russland ist keine Supermacht mehr, aber es hat eine enorme Entwicklung hinter sich.

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