Merkel kritisiert Absetzung von "Idomeneo" als "Schere im Kopf"

8. Oktober 2006, 20:42
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Bundeskanzlerin in ihrer Rede zum Tag der deutschen Einheit: "Keine Kompromisse bei Kunst- und Meinungsfreiheit"

Berlin - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Absetzung der Mozart-Oper "Idomeneo" in Berlin als "unnötige Schere im Kopf" kritisiert. In ihrer Rede zum Tag der deutschen Einheit am Dienstag in Berlin verteidigte Merkel die Freiheit der Kunst, der Meinung und der Religion. "Hier kann und darf es keine Kompromisse geben", sagte sie. Zugleich betonte die Kanzlerin im Hinblick auf islamischen Fundamentalismus: "Gewalt im Namen einer Religion pervertiert und missbraucht diese Religion."

Die Deutsche Oper in Berlin hatte "Idomeneo" in der umstrittenen Inszenierung von Hans Neuenfels in der vergangenen Woche vom Spielplan genommen. Begründet worden war dieser Schritt mit der Furcht vor islamistischen Attacken, denn in der Inszenierung werden die abgeschlagenen Häupter von Jesus, Buddha, Mohammed und Poseidon gezeigt.

"Kein Verbot, sich verletzt zu fühlen"

Merkel sagte: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche beim Recht, frei ihre Meinung zu sagen oder zu schreiben, eine unnötige Schere im Kopf haben. Dass gleichsam die weiße Fahne gehisst wird, bevor auch nur irgendetwas zu passieren droht. Wie anders ist die Entscheidung um die Absetzung der Mozart-Oper in Berlin zu werten?" Es gebe in Deutschland kein Verbot, sich verletzt zu fühlen. Man müsse auch nicht in eine Oper gehen, sagte sie denen, die die Inszenierung ablehnen.

Wenn ein Dialog der Religionen gelingen solle, dann nur bei Anerkennung der Würde jedes einzelnen Menschen. "Da hat Gewalt keinen Platz." Respekt von anderen erfahre man nur, wenn man zeige, dass man selbst Respekt vor dem habe, was einem wichtig sei. (APA/AP)

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