Aktien von Online-Glücksspielanbietern stürzen wegen US-Gesetzes ab

11. Oktober 2006, 11:23
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Auch Internet-Sportwettbüro bwin mit herben Verlusten

Ein vom US-Kongress verabschiedetes Gesetz hat die Aktien von Online-Glücksspielanbietern international drastisch abstürzen lassen. Die Kurse großer Unternehmen der Branche brachen zu Wochenbeginn teils um mehr als 60 Prozent ein. Das österreichische Online-Sportwettbüro bwin, das ein Viertel seines Umsatzes in den USA macht, musste an der Börse starke Verluste hinnehmen.

Neues Gesetz

Grund für die Einbrüche ist ein am Samstag vom US-Kongress verabschiedetes Gesetz, das Kreditkartenbetreibern verbietet, Zahlungen für Wetteinsätze im Internet auszuführen. Bereits am Wochenende hatten mehrere Glücksspielanbieter angekündigt, ihre Geschäfte in den USA dann auszusetzen.

60 Prozent Wertverlust

Die Aktie des weltgrößten Online-Poker-Anbieters PartyGaming mit Sitz auf Gibraltar verlor an der Londoner Börse rund 60 Prozent seines Wertes. Kleinere Anbieter brachen hier sogar um mehr als 70 Prozent ein. Vor allem britische Werte waren betroffen, weil diese einen Großteil ihrer Aktivitäten in den USA haben. PartyGaming-Chef Mitch Garber warf den USA Scheinheiligkeit vor. Pferde-Wetten und staatliche Lotterien stünden im Gegensatz zum Poker unter dem ausdrücklichen Schutz des neuen Gesetzes.

bwin fällt

Die Aktien des österreichischen Anbieters bwin fielen zeitweise um mehr als 20 Prozent ins Minus, erholten sich bis zum Dienstag aber wieder leicht. Die Aktie hatte schon in den vergangenen Monaten eine rasante Talfahrt von über 100 Euro auf nun etwas mehr als 14 Euro hinter sich. Auch andere in Deutschland tätige Wettanbieter verloren stark. Derzeit analysiere das Unternehmen, wie sich die Kongress-Entscheidung auf seine Aktivitäten in den USA auswirke, teilte bwin am Montag mit. Die Strategie solle so angepasst werden, dass "etwaige negative Konsequenzen so gering wie möglich" gehalten werden könnten.

Unter Druck

bwin ist derzeit auch in Europa und in Deutschland unter Druck. In Frankreich wurden vor rund zwei Wochen die bwin-Chefs wegen illegalen Betriebs von Glücksspielen festgenommen und erst gegen Kautionen von je 300.000 Euro auf freien Fuß gesetzt. bwin (früher betandwin) mit Sitz auf Gibraltar bietet Wetten vor allem auf den Ausgang von Fußballspielen an. In Deutschland ringt bwin mit den Behörden um seine Lizenz. Im August verbot Sachsen bwin die Aktivitäten in dem Bundesland. Der Streit liegt nun bei der deutschen Justiz.

Gesetz gebilligt

Das US-Gesetz wurde vom Repräsentantenhaus und vom Senat gebilligt und soll nun binnen zwei Wochen von Präsident George W. Bush unterzeichnet werden. Bisher war die US-Gesetzgebung zum Glücksspiel im Internet eher vage, die Branche rechnete aber bereits seit zwei Jahren mit einer Verschärfung. Der Kongress beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1961, das die Nutzung von bundesstaatlichen Grenzen überschreitenden Telefonleitungen für Wetteinsätze verbietet und das organisierte Verbrechen bekämpfen sollten.

Festnahmen

In den vergangenen Wochen waren mehrere Chefs von Internet-Glücksspielanbietern in den USA festgenommen worden. Der Geschäftsführer des Anbieters Sportingbet, Peter Dicks, durfte nur gegen Zahlung einer Kaution nach Großbritannien zurückkehren, wo er von seinem Amt zurücktrat; der Chef von BetOnSports, David Carruthers, darf den US-Bundesstaat Texas vorerst nicht verlassen und wurde entlassen. Der Umsatz mit Glücksspielen im Internet wird auf jährlich 15 Mrd. Dollar (knapp 11,8 Mrd. Euro) weltweit geschätzt.(APA/AFP)

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