Superjumbo mit Super-Verspätung

4. Oktober 2006, 18:07
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Airbus muss die Auslieferung des A380 um bis zu einem Jahr verschieben. EADS kosten die Verzögerungen Milliarden - Aktien brechen ein

Frankfurt - Der Flugzeugbauer Airbus bekommt seine Probleme mit dem neuen Superjumbo A380 noch langsamer in den Griff. Mehrere Fluggesellschaften, darunter der größte Kunde Emirates und die Lufthansa, teilten am Dienstag mit, die Auslieferungen verzögerten sich um bis zu ein Jahr.

Die in Dubai ansässige Emirates muss nach eigenen Angaben zehn Monate länger als zuletzt vorgesehen auf die erste Maschine der EADS-Tochter hoffen. "Unser erstes Flugzeug wird nicht vor August 2008 geliefert werden. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit für Emirates, und das Unternehmen wird nun alle Möglichkeiten prüfen", sagte Emirates-Präsident Tim Clark.

Storno möglich

Emirates hat 43 der doppelstöckigen Passagierflugzeuge bestellt. In Branchenkreisen wird seit Wochen darüber spekuliert, dass Emirates den Großauftrag möglicherweise teilweise oder ganz stornieren und damit den europäischen Flugzeugbauer und seinen Mutterkonzern EADS in eine noch tiefere Krise stürzen könnte.

Bei Lufthansa wird sich die Auslieferung der ersten A380-Modelle um rund ein Jahr verspäten. Airbus habe mitgeteilt, dass mit den ersten Maschinen nun im Sommer 2009 zu rechnen sei, sagte ein Lufthansa-Sprecher. "Dies ist natürlich eine deutlich stärkere Verzögerung als erwartet, aber wir sind trotzdem weiterhin vom Erfolg des A380 überzeugt." Über den in den Verträgen vorgesehenen Schadensausgleich werde man sich mit Airbus einvernehmlich verständigen. "Wir stehen mit Airbus auf höchster Ebene in Dauerkontakt", sagte der Sprecher.

Die französische Zeitung "La Tribune" berichtete, Airbus rechne für 2007 nur noch mit der Auslieferung von zwei bis drei der Großraum-Flugzeuge. Im Juni hatte das Unternehmen selbst sein Lieferziel von 20 bis 25 auf neun Maschinen reduziert.

Lufthansa hat "Vorsorge getroffen"

Für Lufthansa sei die erneute Verspätung nicht so dramatisch wie möglicherweise für andere Kunden. "Wir sind nicht Erstkunde, und wir haben Vorsorge für Kapazitätsengpässe getroffen", sagte der Sprecher. Europas zweitgrößte Fluggesellschaft hat erst vor zwei Wochen bei Airbus fünf A330-Maschinen geordert, die vom ersten Quartal 2008 an ausgeliefert werden sollen.

Ursprünglich wollte der deutsche Marktführer die ersten vier seiner 15 bestellten Superjumbos im Sommerflugplan 2008 einsetzen. Über die fünf A330 hinaus habe sich das Unternehmen am Markt zusätzliche Kapazitäten gesichert, sagte der Sprecher. Ob Lufthansa andere Flugzeuge kaufen oder leasen werde, könne er derzeit nicht sagen.

Airbus hat darüber hinaus auch die Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways über weitere Verzögerungen in Kenntnis gesetzt. Details nannte der Virgin-Atlantic-Sprecher nicht. Von der französischen Air France, die als einer der ersten Kunden das neue weltweit größte Passagierflugzeug erhalten soll, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

EADS erwartet Milliardeneinbußen

Der Airbus-Mutterkonzern EADS muss durch die Auslieferungsverzögerungen Milliardeneinbußen hinnehmen. Insgesamt werde dadurch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Konzerns für die Jahre 2006 bis 2010 um zusammengefasst 4,8 Mrd. Euro niedriger ausfallen als ursprünglich geplant. Einen ersten Gewinnbeitrag werde der zweistöckige A380 nun erst 2010 liefern.

Um die Probleme bei Airbus in den Griff zu bekommen, plant die EADS eine tief greifende Umstrukturierung. "La Tribune" berichtete, dass der Bau des A380 aus Hamburg abgezogen und komplett nach Toulouse verlagert werde. Der Schritt solle schon bald bekannt gegeben werden. In Hamburg sollten wesentliche Teile des A380 montiert werden. Allerdings hatte es in den vergangenen Monaten EADS-intern erheblichen Streit über die Ursachen für die Probleme bei der Verkabelung gegeben.

Kein Kommentar

Wie die Zeitung schreibt, soll das Werk in der Hansestadt zum Ausgleich die Fertigung der kleineren Modellreihe A320 übernehmen. Ein EADS-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Der Hamburger Senat hatte große finanzielle und politische Anstrengungen unternommen, um einen Teil des zwölf Milliarden Euro teuren A380-Programms in der Hansestadt zu halten.

EADS-Aktie nach Gewinnwarnung unter Druck

Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS ist am Mittwoch eingebrochen: Der Kurs gab in Paris bis zum Mittag um 7,3 Prozent nach. Zahlreiche Investmentbanken stuften die EADS-Papiere zurück. Das am Dienstag vom EADS Board of Directors beschlossene Restrukturierungsprogramm stieß bei Analysten auf Kritik.

UBS bezeichnete den Plan, der Einsparungen von jährlich 2 Mrd. Euro ab 2010 vorsieht, als "unklar". Die Bank Société General warnte dagegen, die "sehr ambitionierten Pläne" könnten an politischen Hürden scheitern. EADS hatte am Dienstagabend mitgeteilt, der Verlust beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde sich auf 2,8 Mrd. Euro summieren. Die dritte Gewinnwarnung des Konzerns sei "vielleicht nicht die letzte" gewesen, hieß es bei der Société General. (APA/Reuters)

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    Der A380 lässt die Airlines weiter auf sich warten.

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