Das neue Image der Makler

31. Jänner 2007, 14:00
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Seit einem Jahr ist Thomas Malloth oberster Interessenvertreter der Immobilientreuhänder - bei seinem Amtsantritt sprach er einst von radikalen Änderungen

Was davon eingetreten ist und was in den nächsten Monaten zu erwarten ist, erklärte er Gerhard Rodler.

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STANDARD: Vor einem Jahr sind Sie mit der Ansage angetreten, endlich frischen Wind in die Branche bringen zu wollen. Was ist seither geschehen?

Thomas Malloth: Wir haben in den zurückliegenden zwölf Monaten im Team extrem viel in Bewegung gebracht. Vor allem haben wir sehr viele Akzente für die Imageverbesserung der gesamten Branche gesetzt. Nach Maßgabe unseres Arbeitsprogrammes haben wir einen Bundestag neu geschaffen, der sich in erster Linie als Zukunftsworkshop versteht, als laufende Kontrolle unserer Arbeit. Und zuletzt haben wir uns mit Fragen der Kundensicherung und mit einer Stärkung unserer Position in der Politik beschäftigt.

STANDARD: Davon sieht man wenig, denn der Immobilenmakler wird nach wie vor nicht als seriösester aller Berufe wahrgenommen.

Malloth: Das wäre ja auch illusorisch. Es dauert Jahre, bis sich ein Image verändert hat. Aber ich bin überzeugt, dass wir die erfolgreiche Basis dafür gelegt haben. Beispielsweise haben wir in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Normungsinstitut die Ausbildung für alle drei in der Kammer der Immobilientreuhänder vertretenen Berufsgruppen normiert. Darunter fallen Makler, Hausverwalter und Bauträger. Das ist ein wichtiger Schritt für eine allgemein hohe und nachvollziehbare Qualität all jener Menschen, die diesen Beruf ausüben. Besonders bedeutsam ist weiters, dass auf diesem Wege der Konsument sichergehen kann, dass er jemandem gegenübersitzt, der entsprechend geprüfte und gesicherte Kenntnisse hat.

STANDARD: Das sind aber keine Maßnahmen, die für den Konsumenten unmittelbar und sofort sichtbar sind.

Malloth: Richtig, wir haben aber sehr wohl auch sofort sichtbare Maßnahmen gestartet. Auf dem Bundesimmobilientag vor einigen Tagen habe ich meinen Branchenkollegen zwei Informationsblätter präsentiert, die in einer sehr hohen Auflage von jeweils einer halben Million Stück über einen gezielten Verteiler ganzjährig an die Konsumenten verteilt werden. Der eine richtet sich an potenzielle Wohnungskäufer, der andere an Wohnungsverkäufer.

STANDARD: Was hat sich im Bereich der Berufsausübung getan?

Malloth: Ein weiterer Punkt ist die Berufshaftpflichtversicherung. Mit einem Versicherungskonsortium wurde bereits ein Rahmenvertrag mit attraktiven Konditionen ausverhandelt.

STANDARD: Handelt es sich dabei um eine Pflichtversicherung?

Malloth: Vorerst passiert dies noch auf freiwilliger Basis. Für den Konsumenten ist es daher empfehlenswert, vor einem Vertragsabschluss nachzufragen, ob eine solche Versicherung besteht. Es ist aber geplant, dass in der kommenden Legislaturperiode diese Berufshaftpflichtversicherung durch den Gesetzgeber für alle verpflichtend gemacht wird.

STANDARD: Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass alle Branchenmitglieder glücklich über den von Ihnen eingeleiteten radikalen Wandel sind.

Malloth: Da haben Sie wahrscheinlich Recht. Ich bin aber überzeugt und sehe dies auch an allen Reaktionen meiner Kolleginnen, dass die weitaus überwiegende Mehrheit unserer Kollegen meinen Kurs durchaus unterstützt. Veränderungen sind für eine Branche nicht immer nur angenehm. Andererseits: Unsere Branche ist hinter den Nahrungs- und Genussmitteln jene mit den zweitgrößten Umsätzen und das "Dach über dem Kopf" zählt zu den elementarsten Grundbedürfnissen der Menschen. Diese Bedeutung spiegelt sich nicht einmal annähernd in den Imagewerten wider. Das muss sich ändern. Ich habe Schüler und Studenten zu einem Gedankenaustausch über "Wohnen 2020" eingeladen und es hat sich gezeigt, dass unsere Branche radikal umdenken wird müssen. Wer nicht mittut, wird vom Markt bestraft. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9./1.10.2006)

  • Thomas Malloth: "Das Dach über dem Kopf zählt zu den elementarsten Grundbedürfnissen. In den Imagewerten spiegelt sich das nicht wider. Das muss sich ändern."
    foto: standard/robert newald

    Thomas Malloth: "Das Dach über dem Kopf zählt zu den elementarsten Grundbedürfnissen. In den Imagewerten spiegelt sich das nicht wider. Das muss sich ändern."

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