Tragbare Email-Kunst von Frey Wille

8. Oktober 2006, 20:01
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Wiener Unternehmen wurde mit Handarbeit zum "Global Player"

Wien - Email ist Glas mit mineralischen Zusätzen, das bei 800 Grad Celsius eingeschmolzen wurde. Kommt der Markenname Frey Wille ins Spiel, wird aus Email tragbare Kunst: Interpretationen des Werks berühmter Maler wie Gustav Klimt, Claude Monet, Alphonse Mucha oder Hundertwasser stehen im Vordergrund. Seit 55 Jahren beschäftigt sich die Wiener Firma mit der Herstellung von Schmuck.

"Wir sind in erster Linie Künstler. Aber auch Spezialisten im Emaillieren und Goldschmiede", sagt Chef Friedrich Wille. Gegründet 1951 von der Wiener Emailkünstlerin Michaela Frey (1926-1980), sind heute mehr als 40 Frey Wille-Boutiquen weltweit zu finden, in Paris, London und Mailand, Dubai und Tokio.

Der Jurist Friedrich Wille kam in den siebziger Jahren als Teilhaber ins Unternehmen. Nach dem Tod der Firmengründerin, die immer die künstlerische Leitung innehatte, "wusste ich zunächst nicht, wie es weitergeht". Anfang der achtziger Jahre wurde unter der Ägide von seiner heutigen Frau Simone Grünberger eine Kollektion erarbeitet, die neue Themen erschloss, vom alten Ägypten bis zu Nachlässen berühmter Künstler als Inspirationsquelle.

"Wir können uns ganz in ein Thema vertiefen, im Idealfall mit den direkten Freunden eines Künstlers oder seinen Nachfahren sprechen", hört man aus dem künstlerischen Team Enthusiasmus über das spezielle Arbeitsumfeld. Die Interpretationen verstehen sich als Versuch, Besonderheiten eines Malers wie Pinselstrich oder Farbwahl nachzuempfinden - auf winzigen Flächen wie Ringen. Alle Entwürfe werden mit Pinsel und Farbpalette erarbeitet. "Es ist eine sehr schöne und auch meditative Tätigkeit", wird versichert.

Rund 20 Arbeitsgänge

So sieht das Handwerk aus: In rund 20 Arbeitsgängen werden vier Emailschichten aufgetragen: 24-karätiges Gelb- bzw. Weißgold wird in Form von Goldstaub händisch appliziert und eingeschmolzen. Dann wird jede Emailfarbe der Reihe nach aufgetragen. Während mehrerer Brennvorgänge verschmelzen das Gold und die Farben mit der vielschichtigen Emailoberfläche des Schmucks. Zum Schluss wird das Email gefasst.

Vor etwa zehn Jahren wurde das Geschäft im Mittleren Osten aufgebaut, so Wille. Nach der Jahrtausendwende wurden Nachbarn wie Ungarn, Tschechien und Slowenien erschlossen, vor drei Jahre habe man in Russland "Fuß gefasst", seit zwei Jahren auch in China. Anfang 2007 folgt mit Stockholm das erste Geschäft in Skandinavien. Zu viel Expansion schließe die Unternehmensphilosophie aber aus, betont Wille: "Unsere begrenzte Produktionskapazität ist auch ein Teil unseres Werts." Die Frühjahrskollektion 2007, der ägyptischen Sphinx nachempfunden, liegt schon in den Geschäften. (APA)

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