Im Schatten der Alpen

12. Oktober 2006, 20:40
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Am Rand der Traumfabrik: „Echo Park“

Echo Park ist ein hauptsächlich von mexikanischen Einwanderern bewohnter Stadtteil von Los Angeles, der sich zwischen dem Stadion der LA Dodgers und der Skyline von Downtown erstreckt. Die Wohnungen sind halbwegs leistbar, der Glamour Hollywoods weit weg, weshalb sich in den letzten Jahren eine alternative Musik- und Kunstszene angesiedelt hat.

 

Von alldem ist im gleichnamigen Film von Robert Dornhelm aus dem Jahre 1986 noch kaum etwas zu spüren: Echo Park, wenngleich als Stadtteil etabliert, ist eher Synonym für den Traum seiner Protagonisten vom großen Durchbruch. Mae möchte Schauspielerin sein, verdient jedoch ihren Lebensunterhalt als Kellnerin und mit der Vermietung eines Zimmers ihrer Wohnung, die sie mit Sohn Henry teilt.

Ihr Nachbar August, Schwarzenegger- Nacheiferer aus Österreich, will sich und sein Bodybuildingstudio mit krausen Theorien über manipulierbare Star-Energie berühmt machen. Jonathan, ein Pizzabote, schreibt eigentlich Songs und mietet schließlich Maes Zimmer. Die Tage vergehen, neue Hoffnungen, privat wie im Job, tun sich auf, werden enttäuscht, das Leben geht weiter . . .

So skurril die Charaktere wirken sollen – ergänzt etwa um einen philosophierenden Pizzabäcker oder einen schleimig-hilfsbereiten Striptease- Agentur-Besitzer, der Mae ihren ersten Job im „Business“ vermittelt –, so lakonisch- flüchtig ist die Schilderung der Ereignisse in Dornhelms Erstlingsfilm. Los Angeles selbst ist meist nur in kurzen Ausschnitten sichtbar, die sich von den üblichen Klischeebildern der Stadt abheben, doch manchmal zu offensichtlich die abgefuckte „Neighbourhood“ zelebrieren. Staubige Straßen, verwilderte Vorgärten, schnell zusammengezimmerte Holzarchitekturen und unrenovierte Wohnhäuser vermitteln das Bild einer Wüstenstadt, die ebenso irgendwo in Idaho, Arizona oder Texas liegen könnte. Echo Park ist ein seltsames Hybrid aus Hollywood-Mainstream und alternativem Low-Budget- Kinoentwurf, aus der Verwendung gängiger Stereotype und dem Versuch eines Generationenporträts.

Das gelingt auf jeden Fall mit den ausgewählten Schauspielern: Susan Dey (Mae), ehemals Mitglied der berühmten Partridge Family, sollte bald darauf mit LA Law zu neuer Berühmtheit gelangen; Tom Hulce (Jonathan), in seiner ersten Filmrolle nach Amadeus, geriet wieder in Vergessenheit, und Michael Bowen (August) machte als bewährter Seriendarsteller weiter. Seine österreichischen Wurzeln kann Echo Park nicht verleugnen: Augusts tatsächliche Träume, oder: sein Trauma besteht in der Furcht, als Nachfolger in die Fleischhauerei seines Vaters ins idyllische Heimatdorf zurückkehren zu müssen. Als jener am Ende des Films albtraumgleich tatsächlich in Los Angeles auftaucht, verschwimmen die Traumbilder – und Echo Park ist gänzlich unvermittelt eine Berglandschaft in den österreichischen Alpen.

Claudia Slanar, Freie Autorin, Kuratorin und Kunstvermittlerin (Film/Bildende Kunst)

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