Helden, nur im Traum

11. Oktober 2006, 23:01
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Regisseur Florian Flicker über „Der Überfall“

Wenn zwei der Männer, die in dieser Ausnahmesituation aufeinandertreffen, von zwei der profiliertesten heimischen Kabarettisten, von Josef Hader und Roland Düringer, dargestellt werden, dann scheint Komik unausweichlich: In Florian Flickers Der Überfall sind die beiden, genauso wie Joachim Bißmeier als Schneider, jedoch keine reinen Lachnummern, sondern Männer mit klarem Profil. Und weil gemeinsame Entbehrungen Solidarität stiften, beginnt das Täter-Opfer-Verhältnis zu bröckeln.

 

Für den Regisseur und Autor Florian Flicker ist sein Film, wie er im Interview verrät, „ein Drama, eine Tragödie.

Beim Dreh haben wir jedenfalls kaum gelacht. Die drei Figuren tun sich schwer mit dieser Welt. Und der Film funktioniert ja auch nur dann, wenn man die Szenen ernst nimmt. Die Komik entsteht erst durch die existenzielle und seelische Notsituation.“

In einem Film, der großteils in einem Raum ausgetragen wird, stehen die Schauspieler natürlich im Mittelpunkt. Deren rührend bis rabiates, also von krassen Stimmungswechseln bestimmtes Spiel begeisterte auch die internationale Jury in Locarno, die dem Ensemble einen bronzenen Leoparden verlieh.

Daheim in Österreich muss erst einmal das Klischee des Kabarettfilms beseitigt werden, bevor der Blick für das filmische Potenzial dieser Darsteller frei zu werden scheint. Flicker: „Noch vor Drehbeginn, als die Besetzung schon klar war, haben Leute gesagt: ,Bist deppert, machst’ jetzt einen Kommerzfilm?’ Das Dramatischere jedoch“, so Flicker, „ist, dass die Politik den internationalen Erfolg des heimischen Films überhaupt nicht goutiert. Entweder ist das ein Konzept: Ihr Filmemacher habt gegen die Regierung unterschrieben und jetzt bekommt ihr kein Geld mehr. Oder es ist schlicht Dummheit.

Da hat auch der ORF dazu beigetragen, der die Filme irgendwo, sonntags spätnachts, versteckt.“ Der Überfall ist nach dem Sci-Fi-Drama Halbe Welt und dem Road-Movie Suzie Washington Flickers dritter Film (2006 entstand noch der Dokumentarfilm No Name City), der einem neuen Genre verpflichtet ist.

Überhaupt ist sein Werdegang reich an Haken. Vom Autodidakten, der mit Super- 8- und Expanded-Cinema- Projekten begann, zum Regisseur publikumsträchtigen Arthouse-Kinos: „Da ich keine Akademie besucht habe, ist für mich jeder Film eine Art neues Semester. Der Überfall war jetzt das Semester Schauspielführung.

Das war nicht einfach, weil im gleichen Set zu filmen sehr intensiv ist. Es erfordert auch von der optischen Auflösung gestalterischen Minimalismus.“ Ganz so reduziert sind die formalen Mittel jedoch nicht: Der Film ist in Cinemascope gedreht, was eine ganz eigene Kinetik der Körper im Raum ermöglicht. Er bricht immer wieder in Tagträume aus, die wie Found- Footage aus Zeiten wirken, in denen Männer noch echte Helden waren: Für Flicker war das spannend, „diese Gratwanderung zwischen Realismus und Farce, mit Ausflüchten ins Ironische“. Dominik Kamalzadeh

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