Prozess: "Kann sein, I daschlog di'"

4. Oktober 2006, 18:48
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Axt-Mord in Wels - 26-Jähriger geständig

Wels - Lange Haare, schwarz gekleidet, tätowiert und ein bitterböser Blick - so geisterte der damals 25-jährige Michael G. Ostern 2006 als "Samurai-Mörder" von Eberstalzell durch die Medien. Am Dienstag nahm der junge Mann auf der Anklagebank am Welser Landesgericht vor Richterin Birgit Ahammer Platz. Gleich zu Beginn zeigte sich der Maler und Anstreicher geständig, plädierte aber entgegen der Staatsanwaltschaft nicht auf Mord sondern Totschlag.

"Ich war ihr Meister"

Ja, er habe im Affekt Gabriele K. mit einer "langstieligen Axt" (es war doch kein Samurai-Schwert) getötet, schildert Michael G. auffallend emotionslos den Tathergang.

Die Vorgeschichte zum Aufsehen erregenden Mord - der Sachverständiger attestiert dem Angeklagten volle Zurechnungsfähigkeit - fällt zunächst unter die Rubrik unglückliche Liebe. Gabi verliebt sich, Michael erwidert anfangs die Zuneigungen, fühlt sich dann aber rasch eingeengt und verfolgt. "Die war total schräg, hat oft wirre Sachen gesprochen, gemeint wir sind seelenverwandt und ich ihr Meister", erzählt der Angeklagte.

"Ständig da gewesen"

Er habe dann versucht, den Kontakt abzubrechen, doch sie sei "ständig da gewesen". Im Stammlokal, vor seiner Wohnung, bis zu zehn Mal täglich am Telefon. Michael G. beschließt einen Wohnortwechsel nach Eberstalzell. Die Situation scheint sich zu beruhigen - bis zum Osterwochenende. Bereits in der Nacht vor der Tat besuchte Gabi K. ihren späteren Mörder, bedrängt ihn und übernachtet im Haus.

In der Nacht zum Ostersonntag eskaliert die Situation. Nach einer Zechtour kommt Michael G. "depressiv und unglücklich" nach Hause, zerschlägt wütend mit der Faust einen Spiegel. Plötzlich läutet Gabi K. an der Haustüre. Er habe noch gesagt sie solle gehen, sonst "kann's sein, dass I di daschlog". Gabi ging nicht und Michael griff zur Axt. "Sie hat sich nicht gewehrt. Sie war irgendwie total relaxt." 40-mal schlägt er auf Kopf und Hals ein, Gabi ist bereits nach den ersten Hieben tot. Dann flüchtet Michael G. mit dem Auto nach Paris, zwei Tagen später wird der 26-Jährige am Heimweg in Straßburg verhaftet. Ein Urteil ist für Mittwoch zu erwarten. (Markus Rohrhofer; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2006)

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