Ohne Kompromisse

9. Oktober 2006, 23:15
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Valie Export über „Die Praxis der Liebe“*

Avantgarde – Kinofilm Ich wollte mich bei Die Praxis der Liebe vom reinen Avantgardefilm lösen, aber nicht von den dabei gemachten Erfahrungen.

 

Mein Bestreben ist, diese in einem Kinofilm einzusetzen, gezielt für das Kino zu arbeiten, jedoch ohne Kompromisse an die herkömmliche Erzählform. Meine handwerklichen und künstlerischen Erfahrungen im so genannten Kommerzkino anzuwenden, heißt: eigene Dramaturgie, Bildsprache sowie bestimmte Inhaltsvorstellungen überhaupt.

Form – Film Die formale Dramaturgie des Films hat als Muster die Kriminalstory.

Mein Interesse, einen Kriminalfilm zu drehen, besteht eigentlich schon länger; man könnte ja bereits Unsichtbare Gegner als Psychothriller bezeichnen, allerdings auf einer völlig unterschiedlichen, futuristischen Ebene.

Die Praxis der Liebe hingegen ist gegenwartsbezogen. Schwerpunkt – Inhalt Mit zu den Hauptthemen des Films gehören die Aktualität des Waffenhandels, die Herstellung von Waffen in einem neutralen Land und die heutige Auseinandersetzung mit dem Frieden in der Welt.

Frauenbild – Identität Die Judith des Films setzt sich auf der Suche nach ihrer Identität mit verschiedenen Frauenbildern auseinander, darunter auch das Bild der Frau, wie es in der Pornografie vermarktet wird.

In ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur erkennt Judith den Tötungszwang anderen gegenüber als Fantasie eines verdrängten Hasses, für den sie allerdings kein Schuldgefühl entwickeln kann, sondern den sie durch die enthumanisierten Verhältnisse der Gesellschaft, der sie zugeordnet ist, erklärt.

Gewalt – Liebe Hinter der Liebe steckt in der Praxis doch meistens Gewalt, Hass, Eifersucht und Zorn – die romantische Liebe ist eine seltene Ausnahmeerscheinung, wenn nicht gar eine Erfindung.

Perspektiven – Intentionen Mit Die Praxis der Liebe will ich eine Geschichte mit meinen Mitteln in der Weise erzählen, dass sie im Kino beste Chancen hat. Die bisher gängigen Erzählformen des Kinofilms sind doch weit gehend ausgeschöpft und verbraucht, man braucht sich ja nur die Flucht in all diese Fantasyfilme anzusehen.

Ich dagegen versuche – so wie andere vor mir – eine Erweiterung und Erneuerung der filmischen Gestaltung für das Kino, unter Berücksichtigung der Auflage, eine Form zu finden, die dem Zuschauer eine weitestgehende Identifikation mit Wort und Bild ermöglicht.

*Auszüge aus dem Presseheft

Valie Export, geb. 1940 in Linz, zählt seit den 60er-Jahren zu den auch international bedeutendsten österreichischen Künstlern der Gegenwart. Ihr Werk umfasst u.a. Fotografie, Film und Video, Installationen, Performances und Skulpturen. „Die Praxis der Liebe“ lief 1984 im Berlinale-Wettbewerb.

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