Exporte in Richtung Osten beschleunigt

19. Oktober 2006, 15:16
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Von einem mancherorts erwarteten Ende des Exportbooms in Richtung der neuen, rund um Österreich liegenden EU-Länder ist nichts zu merken

Von einem mancherorts erwarteten Ende des Exportbooms in Richtung der neuen, rund um Österreich liegenden EU-Länder ist nichts zu merken. Dringend zu verbessern sei deswegen endlich die Verkehrsinfrastruktur in Österreich, fordert die Wirtschaftskammer.

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Wien - Mit der Politik haben es die österreichischen Außenhandelsdelegierten derzeit nicht leicht: Tonbandaffäre und Horrordefizit in Ungarn, gestoppte Privatisierung in der Slowakei (Stichwort Flughafen Bratislava), in Prag muss sich eine neue Regierung beweisen und Schulden der alten Exekutive abbauen, nationalistische Tendenzen an der brüderlich geteilten Staatsspitze in Polen, ebensolche Töne aus Kärnten in Richtung der slowenischen Volksgruppe, die auch Laibach verärgern. Trotzdem: Die heimischen Firmen merken davon offenbar nichts, sind doch die Zuwachsraten bei den Exporten in die genannten Länder nach wie vor hoch, in Richtung Polen sogar exorbitant (siehe Grafik).

"Auch 17 Jahre nach der Ostöffnung ist der Boom noch lange nicht zu Ende", kommentiert diese Zahlen Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Außenhandelstages in der Wirtschaftskammer Österreich. In Bulgarien, Rumänien und den Nachfolgestaaten Jugoslawiens werde sich dies fortsetzen.

63.000 neue Arbeitsplätze

Österreichs Exporte in alle Länder der Welt betrugen im heurigen ersten Halbjahr 2006 rund 51,7 Mrd. Euro (plus 12,7 Prozent). Dem standen Importe von 51,4 Mrd. Euro gegenüber (plus 11,02 Prozent). In die fünf mittelosteuropäischen EU-Länder wurden Waren im Gesamtwert von 5,930 Mrd. Euro (plus 11,04 Prozent) geliefert, die Einfuhren aus diesen Ländern summierten sich auf 4,867 Mrd. Euro (minus 1,07 Prozent). Koren erwartet ein Gesamtplus für das Jahr 2006 von neun Prozent sowie eine ausgeglichene Handelsbilanz. Die exportierenden Firmen schafften heuer 63.000 neue Arbeitsplätze, so der Kämmerer. Eine Exportquote von 54 Prozent bedeute, "dass jeder zweite Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt von den Exporten abhängt".

Doch auch an der heimischen Politik gibt es etwas zu kritisieren, vor allem in Sachen Infrastrukturpolitik: Koren ortet jedoch auch Defizite anderer Art: "Es klaffen noch Lücken im Autobahnnetz und im Bahnnetz." Die gescheiterte Privatisierung des Flughafens Bratislava und die nicht zustande gekommene Kooperation mit dem Airport Wien sei eine "vertane Chance". Die Bahn-Anbindung nach Koper in Slowenien, dem laut Koren "zweitwichtigsten Hafen für Österreich", sei ebenfalls nicht ideal. "Wir fordern einen zügigen Ausbau der Pyhrn-Trasse von Prag über Brünn, Linz und die Steiermark nach Koper.

Geld für Schwimmbad

Auf die Frage des STANDARD, inwiefern Korruption weiterhin die Geschäfte in den genannten Ländern beeinträchtige oder überhaupt erst möglich mache, sagte der Handelsdelegierte in Budapest, Peter Rejtö: "Es ist der übliche Rahmen. Lokalpolitker erwarten sich auch Spenden für das Schwimmbad, wenn ein Einkaufszentrum gebaut wird." (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2006)

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