Das GluckGluck-Gerät

5. Oktober 2006, 19:06
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Die Konditionierung zum Trinker, meint S., beginnt mit gesunden Vorsätzen - er vermutet eine Verschwörung

Es war soeben. Und wird in etwa 14 Minuten und 45 Sekunden wieder sein. Und dann, eine Viertelstunde später, wieder. Und wieder. Und wieder. Es sei denn, Kollege S. macht seine Drohung wahr und steigt auf das Ding. Versehentlich, wie er meint. Und irgendwie, meint S., werde er im Nachhinein schon zu argumentieren wissen, wie er aus Versehen seinen Fuß zuerst mitten auf meinem Schreibtisch platzierte und danach auf drei anderen Tischen auf das runde, schnupftabakdosengroße Dings draufstieg. Hauptsache, sagt S., das „GluckGluck“ hört auf.
Das GluckGluck kommt aus den runden Dingern, die da seit einer Woche in unserem Bezirk des Schreibbergwerkes auf etlichen Schreibtischen liegen. So wie andere mehr oder weniger idiotische Goodies auch, waren sie einfach da gewesen – und machen GluckGluck. Alle 15 Minuten. Leise zwar, aber doch so, dass man es nicht überhören kann. Am jeweiligen Schreibtisch und ein paar Meter weiter.

Konditionierung

Und weil S. die Tippkoje neben mir bewohnt, dringt mein GluckGluck eben auch in seine Sphäre vor. Doch während ich mittlerweile brav abgerichtet bin und reagiere, wie es das GluckGluck will (dazu später), wird S. aggressiv: Wenn ich nicht erwachsen genug sei, meinen Flüssigkeitszufuhrhaushalt selbst zu regeln, könne ich mich ja auch an eine Infusion hängen. Oder mich gleich entmündigen lassen, schnaubt S. Und hat in seine GluckGluckaversion mittlerweile eine Mission hineinprojiziert.

Die Vernichtung des GluckGlucks, meint der Kollege, habe nämlich etwas Maschinenstürmerisches. Wäre ein Akt der Befreiung. Würde mir – und allen anderen Knechten des GluckGluck – helfen, das Joch der Unterdrückung durch Konditionierung abzustreifen. Das Bekämpfen des GluckGluck, meint S., wäre aber nur der Anfang. Der Auslöser eines Kreuzzuges, den er nun in Angriff nehmen wolle.

Verschwörung

Denn S. vermutet hinter dem GluckGluck eine Verschwörung: Dass wir alle zu wenig tränken, meint S., stimme ja. Und daran zu erinnern, zwei Liter Wasser pro Tag zu sich zu nehmen, wäre auch zu begrüßen. Aber das GluckGluck führe auf eine falsche Spur. Und zwar, unterstellt S., mit Absicht.

Ganz offiziell heißt das GluckGluck nämlich „Drinkmanager“ (www.drinkmanager.com). Und wer einmal dem dezent-nervigen Viertelstunden-Befehl gefolgt ist und – auf Kommando – brav Wasser trinkt, merkt tatsächlich bald, dass das nicht schadet. Ganz im Gegenteil. Allerdings prophezeite uns S. schon am ersten Tag, dass die Sache ausarten würde.

Z´samm-Z´samm-Z´samm

Und hatte recht. Ein bisserl zumindest. Drei Tage nach der GluckGluck-Einführung, begann der Kaffeekonsum rapide in die Höhe zu fahren. Der Übersüßte-Limo-Automat am Gang ist rascher leer. Und zwei Volontäre wurden dabei ertappt, dass sie das GluckGluck-Signal als Le-Mans-Startschuss für Schnelltrink-Training zu nutzten. Dass dieses „Z´samm-Z´samm-Z´samm“-Gebrüll ziemlich eklig sei, konterten sie mit dem Hinweis auf Gesundheit und die sozial positiven Effekte geregelter Flüssigkeitszufuhr – schließlich tränken sie ja keinen Alkohol.

S. hat aber auch dieses Szenario in seine apokalyptische Vision integriert: Er sieht eine ganze Generation von auf das GluckGluck-Komando automatisch zum Glas greifenden Menschen vor sich – und legt dieses Bild dann auf Zelt-, Feuerwehr- und Oktoberfeste um.

Ich werde das GluckGluck vielleicht doch wieder ausschalten.

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