Physik-Nobelpreis für Studien zum "Echo des Urknalls"

3. Oktober 2006, 19:35
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Die beiden US-Amerikaner John C. Mather und George F. Smoot erhalten Auszeichnung für ihre Arbeit zur kosmischen Hintergrundstrahlung

Stockholm - Der Nobelpreis für Physik 2006 geht an die beiden US-Forscher John C. Mather vom NASA Goddard Space Flight Center in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland) und George F. Smoot von der University of California in Berkeley (Kalifornien). Die beiden Physiker werden für ihre Untersuchungen der kosmischen Hintergrundstrahlung, quasi das "Echo des Urknalls", das heute noch gemessen werden kann, ausgezeichnet, gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm bekannt. Das Forscher-Duo war maßgeblich an der Entwicklung von COBE, des NASA-Satelliten-Programms "Cosmic Background Explorer" beteiligt.

Als das Universum 400.000 Jahre alt war

Die kosmische Hintergrundstrahlung ist ein Relikt aus der frühen Phase des Universums. Sie wurde knapp 400.000 Jahre nach dem Urknall ausgesendet, als das Universum noch rund 3.000 Grad heiß war. Durch die Expansion des Universums hat sich die Strahlung, die aus jeder Richtung des Himmels kommt, mittlerweile abgekühlt und entspreche heute einer Temperatur von 2,7 Grad Kelvin, nur knapp über dem absoluten Nullpunkt.

Bestätigung der Urknall-Theorie

Die Arbeiten der diesjährigen Physik-Nobelpreisträger basieren auf Messungen mit dem 1989 gestarteten NASA-Satelliten COBE. Die Ergebnisse unterstützten die bis heute weitgehend anerkannte Urknall-Theorie, weil dies das einzige Szenario ist, das die von COBE gemessene Hintergrundstrahlung vorhersagt, heißt es seitens der Schwedischen Akademie. Außerdem hätten die beiden Laureaten damit die "Kosmologie zu einer exakten Wissenschaft" gemacht.

Hunderttausendstel Grad Temperaturunterschiede

Durch die Messungen mit COBE konnten die beiden Physiker nicht nur die aktuelle Temperatur der Hintergrundstrahlung feststellen. Sie entdeckten auch sehr kleine Unterschiede in der Temperatur von weniger als ein hunderttausendstel Grad. Diese Differenzen lassen auf die Entstehen der Galaxien rückschließen, da sie zeigen, wie sich Materie zusammenzuballen begann.

An der Auswertung der Ergebnisse von COBE waren mehr als 1.000 Wissenschafter beteiligt, deren Arbeit von John Mather koordiniert wurde. George Smoot war großteils für die Messungen der Temperaturdifferenzen verantwortlich.

Basis

Die Mikrowellen-Hintergrundstrahlung wurde bereits in den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Folge des Urknalls vorhergesagt. Tatsächlich entdeckt wurde sie dann zufällig, als 1964 die beiden US-Forscher Arno Penzias und Robert Woodrow Wilson eine neue empfindliche Antenne testeten. Die beiden Wissenschafter wurden dafür mit dem Physik-Nobelpreis 1978 ausgezeichnet.

Vorjahres-Preisträger

Die Ehrung ist wie im Vorjahr mit zehn Millionen Kronen (1,072 Mio. Euro) dotiert und wird am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. Im vergangenen Jahr ging der Physik-Nobelpreis zur einen Hälfte an den "Vater der Quantenoptik", den US-Forscher Roy J. Glauber von der Harvard University. Die zweite Hälfte teilten sich der US-Wissenschafter John L. Hall von der University of Colorado und der Deutsche Theodor W. Hänsch vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching. Glauber wurde "für seinen Beitrag zur quantenmechanischen Theorie der optischen Kohärenz" ausgezeichnet, Hall und Hänsch "für ihre Beiträge zur Entwicklung der auf Laser gegründeten Präzisionsspektroskopie, einschließlich der optischen Frequenzkammtechnik".

1901 erstmals Vergabe

Bereits der erste Nobelpreis für Physik war 1901 an einen Deutschen gegangen: Wilhelm Röntgen wurde damit für die Entdeckung der nach ihm benannten Röntgen-Strahlen ausgezeichnet. 1921 erhielt den Preis Albert Einstein für seine Verdienste um die theoretische Physik. 2001 wurde unter anderen der aus Heidelberg stammende Physiker Wolfgang Ketterle geehrt, der mit zwei US-Kollegen die Eigenschaften von Kondensaten erforscht hat. (APA/Reuters)

Links

Nobelprize.org

COBE

Wiki-Info

Wetterleuchten des Universums - Hintergrund zu den Arbeiten der beiden Preisträger
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    Gunnar Oquist von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (links) und Per Carlson vom Nobelpreis-Kommittee (rechts) gaben die Gewinner des diesjährigen Nobelpreises für Physik bekannt: Die beiden Astrophysiker John C. Mather and George F. Smoot, deren Konterfeis am Bildschirm zu erkennen sind.

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    John C. Mather vom NASA Goddard Space Flight Center ...

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    ... und George F. Smoot von der kalifornischen Universität Berkeley (undatiertes Archivbild) erhielten den Nobelpreis für Physik 2006.

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