Prammer am Weg zur Ersten Nationalratspräsidentin

4. Oktober 2006, 16:20
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Eine Karriere im Zeichen der Frauenpolitik

Wien - Die Zweite Präsidentin des Nationalrates Barbara Prammer steht vor einem Karrieresprung. Nachdem die SPÖ bei den gestrigen Nationalratswahlen den ersten Platz in der Wählergunst zurückerobert hat, ist der Aufstieg der 52-jährigen Soziologin zur Ersten Nationalratspräsidentin naheliegend. Damit würde zum ersten Mal in der Zweiten Republik eine Frau dieses Amt bekleiden. Die Wiener Spitzenkandidatin Andrea Kuntzl hat am Sonntagabend beim SPÖ-Wahlfest angekündigt, dass die Partei Prammer zur Nationalratspräsidentin machen werde.

Zum formalen Ablauf: Übermorgen, Mittwoch, beschäftigt sich der SPÖ-Bundesparteivorstand mit der Personalfrage. Danach steht die Sache auf der Agenda der nächsten Klubsitzung, die laut Prammer rund um den 25. Oktober stattfindet. Die Letztentscheidung fällt am 30. Oktober in der konstituierenden Sitzung des Nationalrats. Im Zug dieser Sitzung am Beginn der Gesetzgebungsperiode wählt das frisch angelobte Plenum das Präsidium - voraussichtlich mit Prammer an der Spitze.

Prammer wurde am 11. Jänner 1954 in Ottnang im Bezirk Vöcklabruck geboren. Nach der HAK-Matura war sie im Gemeindeamt Ottnang in der Amtsleitung tätig, studierte dann Soziologie an der Linzer Johannes Kepler Universität und arbeitete anschließend als Sozial- und Berufspädagogin. 1991 zog sie in den oö. Landtag ein, von dem sie zur Zweiten Präsidentin gewählt wurde. 1995 wurde sie Landesrätin unter anderem für Naturschutz und Wohnbau und damit die erste Frau in einer oberösterreichischen Landesregierung.

Unter Bundeskanzler Viktor Klima wurde Prammer im Februar 1997 Frauenministerin. In ihre Amtszeit fällt die Öffnung des Bundesheeres für Frauen, aber auch der Beschluss, dass Frauen Nachtarbeit verrichten dürfen. Und gleich am Start ihrer Ministerkarriere wurde das Frauenvolksbegehren zur Unterschrift aufgelegt. 645.000 Österreicher folgten dem Aufruf - unter ihnen auch Prammer selbst, die in der Folge ihre Unterstützung für die Anliegen der Initiatorinnen zusagte.

Seit Februar 2000 - der Angelobung der schwarz-blauen Regierung - drückte Prammer als Abgeordnete und stellvertretende Klubvorsitzende die Oppositionsbank im Nationalrat. Innerhalb der SPÖ ist sie seit 1995 stellvertretende Bundesparteivorsitzende und seit 1997 Bundesfrauenvorsitzende. In dieser Funktion ist sie erst am 7. September 2006 bestätigt worden. Das Amt der Zweiten Präsidentin des Nationalrates hat Prammer seit dem 16. Juni 2004 inne.(APA)

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