NATO-Abkommen mit Ältesten gegen Taliban-Angriffe

13. Oktober 2006, 20:49
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Vier afghanische Soldaten bei Landminen-Explosion getötet

Kabul - Britische NATO-Einheiten in der südafghanischen Provinz Helmand wollen durch ein Abkommen mit Stammesältesten ein Ende der Taliban-Angriffe erreichen. Gemäß der Vereinbarung würden die britischen Soldaten in der Kleinstadt Musa Kala auf Angriffe auf die islamistischen Rebellen verzichten, sagte ein NATO-Sprecher am Montag. Im Gegenzug wollten die Ältesten Druck auf die Taliban ausüben und diese zu einem Angriffsstopp bewegen.

"Wenn wir nicht angegriffen werden, haben wir auch keinen Grund, offensive Operationen zu beginnen", sagte der Sprecher. Es habe weder Verhandlungen mit den Taliban gegeben, noch würden die rund 140 NATO-Soldaten aus der Stadt abgezogen. Die Stammesältesten sollten lediglich ihren Einfluss auf die Rebellen geltend machen.

Die Gewalt im Süden Afghanistans hat in den vergangenen Monaten die Hoffnung westlicher Regierungen auf eine rasche Stabilisierung des Landes fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban-Regierung zunichte gemacht. In Musa Kala halten die Kämpfe an, seit die Rebellen im Mai versuchten, die Stadt einzunehmen. Als Reaktion darauf wurden ausländische Soldaten in die Stadt entsandt, sind dort aber immer wieder zum Ziel teils wochenlanger Angriffe geworden. In einigen Fällen konnten sie diese nur mit Verstärkung aus der Luft zurückschlagen.

Nach Angaben des NATO-Sprechers ging die Initiative zu dem Abkommen von den Stammesvertretern aus. Auch in anderen Regionen des Landes gibt es Versuche, durch die Einbindung der Ältesten ein Ende der Gewalt zu erreichen. Afghanistan und Pakistan wollen die Sicherheitslage bei Stammesversammlungen, so genannten Jirgas, beiderseits der Grenze diskutieren. Die Regierung in Kabul wirft dem Nachbarland vor, den Taliban Unterschlupf zu gewähren. Pakistan hatte kürzlich ein Abkommen mit Stammesvertretern einer Grenzregion geschlossen, um von dort ausgehende Angriffe innerhalb des Landes und auf Ziele jenseits der Grenze zu stoppen.

In der südafghanischen Provinz Paktia kamen unterdessen vier afghanische Soldaten bei der Explosion einer Landmine ums Leben. Vier Soldaten wurden verletzt, berichtete die in Pakistan ansässige Nachrichtenagentur AIP. Zu beiden Anschlägen bekannten sich die radikalislamischen Taliban. In der Früh waren drei britische Soldaten in Kabul verletzt worden, als eine Autobombe in ihrer Nähe explodierte. Am Samstag starben zwölf Menschen, als sich ein Selbstmordattentäter vor dem Gebäude des Innenministeriums in Kabul in die Luft jagte.

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist zurzeit so schlecht wie seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 nicht mehr. Seit Monaten verüben die Taliban wieder verstärkt Anschläge und Selbstmordattentate, vor allem im Süden des Landes. Auch in Kabul ist es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Anschlägen gekommen. Beim bisher schwersten Selbstmordattentat in der Hauptstadt seit fünf Jahren waren vor drei Wochen mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen, als eine Autobombe nahe der amerikanischen Botschaft detonierte. (APA/Reuters/AP/dpa)

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