Lieferungen über Milliardengrenze

3. Oktober 2006, 17:25
31 Postings

Eurofighter-Vertrag müsste für Ausstieg detailliert nachgerechnet werden

Das erklärte und am Montag neuerlich bekräftigte Ziel der SPÖ, aus dem Eurofighter-Kaufvertrag auszusteigen, dürfte noch etliche Juristen und Wirtschaftsprüfer beschäftigen.

Denn von der Eurofighter GmbH ist bereits mehr geliefert worden als allgemein bekannt. Ministerialrat Kurt Hofer, im Verteidigungsministerium für die Projektabwicklung zuständig, bestätigt dem Standard, dass "81, vielleicht 82 Prozent" der Leistungspunkte von EADS bereits vertragskonform erfüllt wurden. Dies ist vom Ministerium dem Lieferanten gegenüber auch bestätigt worden.

Damit könnte der Hersteller für diese Punkte auch den vollen Preis verrechnen, selbst wenn die Investition für Österreich keinen Nutzen stiften kann, weil sie nur mit dem konkreten Fluggerät Eurofighter Sinn macht.

Hofer: "Die teuren Punkte sind natürlich die Hardware, aber wir haben nicht ausgerechnet, wie viel einzelne Komponenten kosten würden." Das sei auch nicht besonders sinnvoll, weil man ja eigentlich davon ausgegangen ist, ein komplettes System anzuschaffen, für das nur der komplette Systempreis zählt.

Die teuersten Komponenten sind mit ziemlicher Sicherheit die fertigen Flugzeuge und ihre Triebwerke, die erst teilweise technisch abgenommen sind. Dagegen sind Punkte wie Techniker-Ausbildung oder der Aufbau des Simulators für den Betrieb in Zeltweg bereits weit gehend erfüllt. Was diese Einzelkomponenten wert sind, müsste erst bewertet werden.

Der Schätzung, dass die erfüllten Leistungspunkte einen Wert von über einer Milliarde Euro bereits überschritten haben, widerspricht Hofer nicht: "Gefühlsmäßig ist das so, aber wir haben das nicht nachgerechnet."

Das würde bedeuten, dass rund die Hälfte des Kaufpreises von 1,9 Milliarden auf jene Systemkomponenten entfällt, die bereits geliefert sind oder sich im Zulauf befinden, weil sie derzeit im bayerischen Manching in die Österreich-Versionen der Eurofighter eingebaut werden.

Dabei handelt es sich um Teile des Systems, die nur mit dem Eurofighter genutzt werden können - unabhängig davon wurden bereits weitere Anschaffungen (wie eine Nachrüstung des Radarsystems Goldhaube oder die Erneuerung des Flugfunks) getätigt, die auch mit anderen Flugzeugen verwendet werden könnten, falls solche als Ersatz bestellt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2006)

Share if you care.