Sanierung: AUA streicht 350 Jobs

18. Oktober 2006, 10:56
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ÖIAG und Banken tragen Kapitalerhöhung im Ausmaß von 350 Millionen Euro mit - AUA-Chef Ötsch macht Piloten Druck - Heute Betriebsversammlung gegen Sparplan

Bis zu 350 Mio. Euro hofft die AUA via Kapitalerhöhung zu lukrieren. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger rät den Anlegern ab: Dass der AUA-Chef gegen den Willen der Belegschaft Sparpläne durchsetzt, sei "ein Grund mehr, sich an der Kapitalerhöhung nicht zu beteiligen".

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Wien - Die AUA wird sich bei der Hauptversammlung am 2. November eine Kapitalerhöhung absichern lasssen. Durch die Ausgabe von bis zu 68 Mio. jungen Aktien hofft die Airline bis zu 350 Millionen Euro an frischem Geld zu bekommen. Davor ist eine Kapitalherabsetzung des Aktien-Nennwertkapitals von 7,27 Euro auf drei Euro vorgesehen (siehe Wissen)

Die Hälfte der Kapitalerhöhung wird das bestehende Aktionärs-Syndikat (ÖIAG und Banken) zeichnen. Den Rest hofft AUA-Chef Alfred Ötsch im Publikum unterzubringen. Ötsch ist jedenfalls zuversichtlich, dass das gelingt: "Wir brauchen keine zehnfache Überzeichnung." Und: "Ich möchte verlässliche Aktionäre, die meine Strategie unterstützen." Man habe eine gute Marktstellung, speziell in Osteuropa und baue diese weiter aus.

Ötsch macht Druck auf Piloten

Bereits nach seinem Antritt an der AUA-Spitze versuchte Ötsch mit dem fliegenden Personal über die bestehenden Gehälter, Betriebsvereinbarungen und flexiblere Arbeitszeiten zu verhandlen. Mangels Erfolg wurden die Gespräche erst einmal abgebrochen. Die AUA will nun jene Möglichkeiten ausschöpfen, die auch ohne Zustimmung des Betriebsrates möglich sind. Durch die Einstellung der Australien-Routen im Frühjahr 2007 werden die zwei frei werdenden Airbusse vermietet. Das Personal (80 Piloten, der Rest großteils Flugbegleiter) wird abgebaut, wobei Ötsch Kündigungen nicht ausschließen will.

Der AUA-Chef ist davon überzeugt, dass es nicht an den Piloten liege, dass eine neue Vereinbarung scheitere. Die Mehrheit der Piloten wisse, wie es um die AUA stehe. Probleme bereiteten vielmehr die Bord-Betriebsräte. Die Belegschaftsvertreter haben für heute, Mittwoch, zu einer Betriebsversammlung am Flughafen Wien aufgerufen. "Wir gehen nicht davon aus, dass es dadurch zu Störungen im Flugbetrieb kommen wird", hieß es seitens der AUA. Ötsch vermisst bei den Belegschaftsvertretern "Veränderungsbereitschaft", um die erforderlichen Maßnahmen mitzutragen. "Die erzielbaren Ergebnisse hätten bei Weitem nicht ausgereicht", so Ötsch.

Eine Konsequenz dieser Nichteinigung ist auch die Verlagerung von drei Kurzstreckenfliegern, Fokker 70, die derzeit im AUA-Betrieb fliegen, zur Tyrolean, die künftig eine Flotte von neun Fokker 70 hat. Statt der Australien-Routen wird ab Sommer 2007 wieder nach Chicago geflogen sowie die Frequenz nach New York erhöht und das Sitzplatzangebot nach Washington erweitert.

Allianzen-Wechsel kein Thema

Klare Worte fand Ötsch in Sachen Flugallianz. "Wir stellen in keiner Weise die Zugehörigkeit zu Star Alliance infrage." Die Hürde eines Ausstiegs sei so hoch, "dass ich gar nicht detailliert zu rechnen anfangen will. Da müsste uns die Lufthansa so unsympatisch werden und die Air France auf einmal so lieben", meinte Ötsch. In den vergangenen Monaten habe man routinemäßig die Mitgliedschaft überprüft, das war ein "rein formaler Check".

Bei den AUA-Aktionären stießen die Kapitalmaßnahmen und Einsparungen auf wenig Begeisterung. Die Aktie verlor nach deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Tagen am Dienstag zwischenzeitlich rund sechs Prozent. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger zeigte sich "entsetzt und enttäuscht" über die Maßnahme.

Was fehle, sei eine klare Zukunftsstrategie. Notwendig sei ein Konzept für eine "AUA 2010", das mit dem Betriebsrat abgestimmt sei. Erst wenn der "soziale Frieden" imUnternehmen sichergestellt sei, sei eine Beteiligung für Aktionäre sinnvoll. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2006)

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    AUA-Vorstand Josef Burger (l.) und Vorstandschef Alfred Ötsch.

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    Die Staatsholding ÖIAG wird bei der Kapitalerhöhung voll mitziehen.

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