Leichtigkeit der Präzision

10. Oktober 2006, 19:31
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Pierre-Laurent Aimard und das Chamber Orchestra of Europe im Konzerthaus

Wien - Dreimal Mozart, dreimal brillantes Musikantentum und spritzige Virtuosität. Nach neun Monaten Mozartjahr löst ein Konzert, das ausschließlich Werke des Jubilars ankündigt, nicht nur Freude aus. Umso erbaulicher, wenn wenige Takte genügen, um aufhorchen zu lassen.

Bassfundament

Flott und transparent packte der französische Pianist in der A-Dur Symphonie K 186a zunächst die Aufgaben des Dirigenten an. Feinsinnig modellierte er die polyfone Vielschichtigkeit des Kopfsatzes, auffallend der saftige Bratschenklang.

Über elastisch-federndem Bassfundament begann das Andante, geschmeidig und locker präsentierten die Musiker das Menuett, gefolgt von einem überaus kecken und brillanten Finale, in dem die Geigen selbst heikle Einwürfe meisterlich ausspielten. Einziger Misston: einige klangliche Ausrutscher der Oboe. Auch im Laufe des Abends wollte sie sich offenbar nur schwer sangliche Kantilenen entlocken lassen.

Partitur

Temperamentvoll agierte Aimard erst recht vom Klavier aus. Im F-Dur Konzert, K 459, fanden Solist und Orchester einander im abwechslungsreichen musikalischen Gespräch, tänzelnd und doch gezügelt ward da ein Thema vorgegeben. Einige aufmüpfige Gegenmeinungen in den Bläsern vertraten ihren Standpunkt mit Nachdruck. Mühelos unterstützte Aimard in der linken Hand den Grundtenor des Orchesters, während die rechte quirlige eigene Wege ging. Amüsante artistische Einlage: Beim schwungvollen Umblättern fliegt die Partitur vom Klavier dem Konzertmeister vor die Füße. Aimard hebt die Noten in Ruhe und Takt wieder auf und ist zum nächsten Soloeinsatz planmäßig zur Stelle.

Melancholie

Einige wenige unplanmäßige Noten mischten sich zwar abschließend beim Jeunehomme-Konzert ein. Nichts desto weniger bestach das Klavier vor allem durch die intensiv ausgekostete Melancholie des zweiten Satzes, sowie das sinnliche Tempospiel im finalen Allegro assai.

Das Orchester nützte jede Gelegenheit, dem Solist Paroli zu bieten: Die Geigen ließen virtuose Girlanden makellos durch die Finger laufen, ballten die Floskeln zu beredten Klangböen. Ein Konzert, nur mit Mozart? Ja bitte! (Petra Haiderer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2006)

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