Orange zwischen Hoffnung und Blues

4. Oktober 2006, 16:12
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Peter Westenthaler hatte gehofft, am Wahltag werde für das BZÖ "die orange Sonne aufgehen"

Am Tag danach schaut es eher nach Sonnenuntergang aus. Am "blauen Montag" wurden im BZÖ-Lager erste Stimmen laut, die Westenthalers Wahlkampf nicht optimal fanden.

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Offiziell wollte sich am Montag niemand aus der Deckung wagen. Im BZÖ war am Tag nach der Wahl "ausruhen" angesagt. Inoffiziell freilich wurde bereits intensiv über das Wahlergebnis nachgedacht.

Es hätte nicht des Hinweises von Jörg Haider persönlich bedurft, dass die Hälfte aller 186.794 BZÖ-Stimmen aus Kärnten kam (25,4 Prozent). Das zweitbeste Ergebnis erzielte man in Tirol (3,3 Prozent). Auch in Salzburg und in der Steiermark (3,2 Prozent) schnitten die Orangen nicht so übel ab. Und Wien? Dort, wo sich Spitzenkandidat Peter Westenthaler im Wahlkreis Wien-Süd persönlich in die Wahlschlacht warf, war mit nur 1,92 Prozent Wählerzustimmung wahrlich kein Grund zur Freude. FPÖ-Konkurrent Heinz-Christian Strache hatte im selben Wahlkreis 19,03 Prozent erzielt.

Kein Wunder, dass am Nach-Wahltag bereits hinter vorgehaltener Hand darüber spekuliert wurde, ob der aggressive Wahlkampf, den Peter Westenthaler von Beginn an geführt hatte, die richtige Option gewesen sei. Den pointierten Anti-Ausländerwahlkampf, die öffentlich zelebrierte Beziehungs-Schlammschlacht mit Strache im TV-Duell und das offensive Werben um SPÖ-Kernschichten erscheint nun einigen BZÖ-Anhängern in einem anderen Licht. Man hätte ruhiger agieren, mehr bürgerliche Wähler ansprechen sollen, hieß es.

Dienstagvormittag treffen die BZÖ-Spitzen in den Räumlichkeiten des "freiheitlichen Klubs" im Parlament zusammen: zur Nachwahlbetrachtung und auch zur Mandatsverteilung. Drei Mandate werden von Kärntnern besetzt: Generalsekretär Uwe Scheuch, Haider-Sprecher Stefan Petzner und Josef Bucher, Spitzenkandidat im Wahlkreis Kärnten-Ost, stehen auf der Liste. Nur Petzner zögert noch: "Ich werde dort sein, wo ich am meisten gebraucht werde." Sollte Petzner in Kärnten bleiben, könnte der Klagenfurter BZÖ-Mann Gernot Dormann nachrücken. Fünf Mandate werden von der Bundesliste besetzt, darunter sind der jetzige Klubchef Herbert Scheibner, Veit Schalle, Peter Westenthaler und Ursula Haubner. Die aus dem BZÖ ausgeschiedene Karin Gastinger, an siebenter Stelle gereiht, wird ihr Mandat nicht annehmen, sagt ihr Sprecher: "Die Ministerin steht dafür nicht zur Verfügung."

Wer Klubchef wird, ist noch offen. "Es ist nicht fix, dass es Westenthaler wird", hieß es dazu am Montag

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