Herbstlohnrunde: Das Feilschen beginnt

11. Oktober 2006, 13:21
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Gewerkschaft fordert Erhöhung der Ist- und der Kollektivvertragslöhne sowie eine Erweiterung der Ansprüche auf Bildungsfreistellung

Wien - Bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 180.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten beginnt am heutigen Dienstag das Feilschen um Prozente und Rahmenbedingungen. Die Gewerkschaft hat in ihrem Forderungspaket eine Erhöhung der Ist- und der Kollektivvertragslöhne sowie eine Erweiterung der Ansprüchen auf Bildungsfreistellung gefordert. Die Arbeitnehmer wollen weitere Flexibilisierungsschritte bei der Arbeitszeit und bei der Lohnfindung durchsetzen. Die Gewerkschaft will aber eine ordentliche Lohnerhöhung haben.

Bei den ersten Wirtschaftsgesprächen der Sozialpartner im Anschluss an die Forderungsübergabe verwiesen die Arbeitgeber auf die hervorragenden Unternehmensgewinne und auf bereits bestehende Flexibilisierungsmaßnahmen. Es habe in den vergangenen sieben Jahren "einen massiven Flexibilisierungsschub" gegeben, geht aus einer im Auftrag des ÖGB erstellten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ifes hervor.

Waren 1998 erst 16,2 Prozent der Beschäftigten in der Metallindustrie von Flexibilisierungsmaßnahmen betroffen, so waren es 2005 bereits 34,4 Prozent. Flexible Arbeitszeiten würden bedarfsorientiert in den Betrieben vereinbart. Weiter gestiegen ist auch der Trend zur Schichtarbeit und zwar von einem Anteil von 47,2 Prozent im Jahr 1994 auf 57 Prozent im Jahr 2005. Grundsätzlich zeigen sich die Arbeitnehmer für Flexibilisierungsmaßnahmen offen, allerdings müssten diese auch den Beschäftigten nützen.

Vorstellungen von Flexibilisierung

Die Arbeitgeber haben bereits im Sommer die Vorstellungen von Flexibilisierung formuliert. Sie wollen neben biegsameren Arbeitszeiten ein neues Lohn- und Gehaltsmodell mit einer an die Inflationsrate gebundenen Lohnautomatik plus einer gewinnabhängigen Einmalzahlung verhandeln.

In Verhandlungskreisen wird am Dienstag noch kein Abschluss erwartet, man stelle sich aber auf einen langen Abend ein. Die Arbeitnehmer werden wie berichtet erstmals von Rudolf-Nürnberger-Nachfolger Erich Foglar vertreten. Er verhandelt gemeinsam mit dem langjährigen Angestellten-Verhandler der Gewerkschaft der Privatangestellten, Karl Proyer. Die Arbeitgeber werden wie schon in den vergangenen Jahren von Leitz-Geschäftsführer Hermann Haslauer und Christoph Hinteregger vertreten.

Der Abschluss der Metaller hat traditionell Signalwirkung für alle weiteren Kollektivvertragsverhandlungen. Ob heuer wieder ein Dreier vor dem Komma stehen wird, halten die Wirtschaftsforscher eher für unwahrscheinlich. "2,9 Prozent ist wahrscheinlicher als 3,1 Prozent", so Helmut Hofer vom IHS. Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner auf eine Lohnerhöhung von 3,1 Prozent. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2006)

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