Der "skandalöse" Tag danach

4. Oktober 2006, 14:19
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"Weiße"-Kandidat Kutschi im Zwist mit seinem Arbeitgeber Innenministerium

Die Wahlen sind (erfolglos) geschlagen, also meldete sich Patrik Kutschi, Spitzenkandidat von Hans-Peter Martins "Weißen" in der Steiermark, gestern Montag wieder bei seinem eigentlichen Arbeitgeber: dem Bundesministerium für Inneres (BMI). Bis Ende August war Kutschi dort stellvertretender Leiter des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA), der Anti-Korruptionsbehörde des BMI. Er wurde für seine Kandidatur freigestellt.

Wie Kutschi im Standard-Gespräch berichtet, sei er im BMI nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden: "Der Leiter des Personalbüros hat mir mitgeteilt, dass ich im Ministerium nie wieder Fuß fassen würde, so lange er hier etwas zu sagen habe", schildert Kutschi das Gespräch mit Personalchef Michael Kloibmüller. Und als Kutschi ihn damit konfrontierte, dass er eine strafrechtlich relevante Drohung ausspreche, soll Kloibmüller erwidert haben: "Passen Sie auf, was Sie jetzt sagen. Ich kann mir für Sie auch noch etwas ganz anderes einfallen lassen."

Aus dem BMI heißt es dazu, dass die Schilderung von Kloibmüller anders klinge. Kutschi übertreibe, meint Iris Müller-Gutenbrunn, Sprecherin von Innenministerin Liese Prokop. Kutschi empfindet das Gespräch jedenfalls als "skandalös" und kündigte rechtliche Schritte an. Er wird laut eigenen Angaben in das Bundesasylamt zurückkehren, wo seine Planstelle ist. "Das ist natürlich ein beruflicher Abstieg, aber damit musste ich rechnen", so Kutschi. Das Gespräch sei außerdem der Beweis, "dass die Inhalte unserer Politik dringend umgesetzt werden müssen".

Zurück nach Brüssel

Spitzenkandidat Hans-Peter Martin flog gestern Montag nach Brüssel, um dort seine Agenden als EU-Parlamentarier weiter wahrzunehmen. Seine Mitstreiter können sich indes anscheinend vorstellen, ihre Arbeit fortzusetzen - zum Beispiel Klaus Diekers, Spitzenkandidat in Vorarlberg, wo die "Weißen" immerhin 7,8 Prozent erreichen konnten. Diekers denkt bereits laut über ein Antreten bei der Vorarlberger Landtagswahl 2009 nach. Martin freut sich, "dass die Samen sprießen", und kann sich durchaus vorstellen, so eine Bewegung zu unterstützen - in welcher Form, das ließ er aber offen. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2006)

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