Liberaler Vordenker

5. Jänner 2007, 11:20
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"Die offene Gesellschaft und ihre Wirtschaft" sammelte Aufsätze, Kommentare und Reden des deutschen "Wirtschaftsweisen" Herbert Giersch

In Anlehnung an Karl Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" wurden nun die Aufsätze, Kommentare und Reden des deutschen "Wirtschaftsweisen" Herbert Giersch unter dem Buchtitel "Die offene Gesellschaft und ihre Wirtschaft" versammelt.

Beim Lesen dieser Aufsätze wird klar, wie früh Giersch auf die Probleme hingewiesen hat, an denen Deutschland, Europa laboriert: Hohe komparativen Lohnkosten und steigender Wettbewerb kombiniert mit Automatisierung und Produktionsverlagerung.

Trotzdem war Giersch immer ein Anhänger eines freien Welthandels, was interessant aus den, zwanzig, dreißig, manchmal vierzig Jahre alten Artikeln zu Entwicklungshilfe und Bretton Woods, der Vorgängerorganisation der WTO, hervorgeht. Vieles hat Giersche schon vor Jahrzehnten aufgegriffen und in einer für Wirtschaftsökonomen selten klaren Sprache analysiert. Etwa das Ursprungslandprinzip, das zuletzt bei der EU-Dienstleistungsrichtlinie diskutiert wurde, und dem der Volkswirtschafter allgemeine Gültigkeit beimisst: "Was im Herkunftsland rechtens ist, sollte im Importland nicht zum Anlass einer Restriktion genommen werden, ausgenommen es geht um (...) Konsumentenschutz."

Für den konservativen Vordenker wird die Gretchenfrage der Nationalstaaten (deren Macht er schwinden sieht) in der Sozialpolitik liegen, die er mit "Sozialstandards" nicht in einen Topf geworfen haben möchte. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2006)

  • Herbert Giersch: Die offene Gesellschaft und ihre Wirtschaft. Murmann 2006, 35 €
    foto: murmann

    Herbert Giersch: Die offene Gesellschaft und ihre Wirtschaft. Murmann 2006, 35 €

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