Letzter Vorhang ohne Schlussapplaus?

2. Oktober 2006, 19:04
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Franz Morak war seit 2000 Staatssekretär für Kunst und Medien - Bis Feststehen des Endergebnisses kein Kommentar

Wien - Vorläufig heißt die Parole im Büro von Kunststaatssekretär Franz Morak noch: "Es geht weiter." Der Staatssekretär werde am Mittwoch wie vorgesehen in Frankfurt auf der Buchwoche den Österreich-Stand eröffnen und wie jedes Jahr dabei auch den neuen Träger des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur bekannt geben. Bis zum endgültigen Wahlergebnis Anfang der kommenden Woche möchte Morak keinen Kommentar zum Wahlausgang oder zu seiner persönlichen Zukunft abgeben, doch im Falle einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung scheint festzustehen: Der letzte Akt im sechsjährigen Gastspiel des karenzierten Burgschauspielers im Amt eines Staatssekretärs hat begonnen.

Koalitionsabkommen

Viele Beobachter konnten sich des Gefühls nicht erwehren, Morak habe dies vorausgesehen und - etwa durch seine unüblich frühe Entscheidung für Matthias Hartmann als Nachfolger von Burgtheater-Direktor Klaus Bachler - manche Entscheidung unter diesen Gesichtspunkten getroffen. Schließlich galt es in der Szene auch für den Fall eines Kabinetts "Schüssel III" keineswegs sicher, dass Morak weiter im Amt bleiben werde. Und mit Spannung wird nun verfolgt, wie die Nachbesetzung an der Spitze der Kunstsektion und die Suche nach einem Nachfolger von Staatsopern-Direktor Ioan Holender (bzw. seine eventuelle neuerliche Verlängerung) gehandhabt wird.

Morak selbst, dem im Wahlkampf vorgeworfen worden war, sich zu selten der Diskussion zu stellen, war mit seiner Arbeit zufrieden. "Was im Koalitionsabkommen steht, ist alles erledigt. Wir haben einen großen Veränderungsschub hinter uns", sagte er im APA-Interview.

Vorwurf der Kommunikations-Verweigerung

Seine Gegner und große Teile seiner Klientel sehen das anders. Zwar hat der am 25. Mai 1946 geborene Grazer, der nach den Aufregungen um seinen auf Einladung des Kunsthistorischen Museums gefeierten 55er seinen 60. Geburtstag im heurigen Frühjahr bei der Verleihung der Amadeus Awards beging, mit der Einführung des Fernseh- und der Musikfonds, der Neuregelung der Buchpreisbindung und der Reform der Galerienförderung unbestrittene Erfolge gefeiert und die heimische Mediengesetzgebung einem gründlichen und überfälligen "Relaunch" unterzogen, doch wird ihm neben einem nach Ansicht der Betroffenen misslungenen Künstlersozialversicherungsfondsgesetz vor allem mangelnder Einsatzwillen bei den Budgetverhandlungen mit dem Finanzminister sowie allgemeine Kommunikations-Verweigerung vorgeworfen. Dass es gegen den erklärten Willen der Szene nicht geht, musste Morak in den Auseinandersetzungen um das Filmfestival "Diagonale" schmerzlich erfahren.

"Ein bunter Hund"

"Ich habe bisher ein buntes Leben gehabt. Ich bin, nachdem ich im chinesischen Horoskop ein Hund bin, ein bunter Hund", bilanzierte Morak zu seinem 60er. Er studierte in Wien und Graz Germanistik, Philosophie, Schauspiel und Regie. Düsseldorf und das Volkstheater Wien waren die ersten Stationen seiner Schauspielerkarriere, in Erinnerung blieb vielen sein Auftritt in Peter Turrinis "Rozznjogd". 1974 wurde Morak an das Wiener Burgtheater engagiert.

Neben seiner Theaterlaufbahn trat Morak auch als Rock-Musiker auf. Titel wie "Sieger sehen anders aus" oder "Wo ist der Chef dieser seltsamen Anstalt?" erlebten später im Zuge seiner Politiker-Karriere in völlig verändertem Kontext neue Höhenflüge.

Anti-Peymann-Front

Gemeinsam mit Muliar zählte Morak zu den prominenten Vertretern der Anti-Peymann-Front. Von seiner Funktion als Ensemble-Sprecher, die er ab 1986 innehatte, trat Morak 1992 aus Protest gegen die Vertragsverlängerung des damaligen Burgtheater-Direktors zurück. Als Quereinsteiger vom damaligen ÖVP-Parteiobmann Erhard Busek für die Nationalratswahl auf den sicheren vierten Listenplatz gesetzt, wurde Morak 1994 Nationalratsabgeordneter und Kultursprecher der ÖVP. 2000 wurde er mit der ersten schwarz-blauen Regierung Staatssekretär, ein Amt, in dem er nach der Nationalratswahl 2002 wieder bestätigt wurde.

Flexibilität

Die Frage, ob eine Rückkehr ans Theater für ihn denkbar sei, wollte Morak im Frühjahr nicht beantworten: "Ich bin kein Hellseher. Aber grundsätzlich schätze ich Flexibilität, und das ist auch paradigmatisch für das heutige Berufsleben." Nicht auszuschließen ist es also, dass der Schauspieler Franz Morak künftig unter Burgtheater-Direktoren spielen könnte, mit denen er sich entweder - wie im Falle Bachlers - nicht nur am Verhandlungstisch gematcht oder die er - im Falle Hartmanns - selbst bestellt hat.

Sicher ist vorläufig nur eines: Der ÖVP-Politiker Morak hat zwar am Sonntag sein Direktmandat im Wahlkreis Wien Innen-West verloren, jedoch über die Landesliste den Einzug in den Nationalrat geschafft. (APA)

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    Morak: "Ich habe bisher ein buntes Leben gehabt. Ich bin, nachdem ich im chinesischen Horoskop ein Hund bin, ein bunter Hund."

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