USA: Fünf Mädchen starben durch dubiose Rachetat

6. Oktober 2006, 16:37
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Notiz deutet darauf hin, dass Täter die Angst trieb, sich an Kindern noch einmal sexuell zu vergehen

Nickel Mines/Washington – Der gewaltsame Tod von fünf Schülerinnen an einer Schule der Amish in Pennsylvania erschüttert die amerikanische Öffentlichkeit. Ein Mann war am Montag in die Klasse einer Gemeinde der Amish-Religionsgemeinschaft in Nickel Mines eingedrungen und hatte fünf Mädchen und anschließend sich selbst erschossen.

Voll bewaffnet

Noch am Montagabend wies US-Präsident George W. Bush Justizminister Alberto Gonzales und Bildungsministerin Margaret Spellings an, mit Vertretern aus den Strafverfolgungsbehörden und dem Bildungsbereich Möglichkeiten zu suchen, Bundesmittel zur Verhinderung von derartigen Bluttaten einzusetzen. Bush sei zu zutiefst erschüttert über die jüngsten Schießvorfälle an Schulen, sagte US-Präsidialamtssprecherin Dana Perino. Erst vergangene Woche hatte ein Obdachloser in einer Schule in Colorado erst eine Schülerin und dann sich selbst erschossen. Am Freitag erschoss ein Schüler in Wisconsin den Rektor seiner ehemaligen Schule. Bei der neuesten Bluttat in Nickel Mines waren die Umstände besonders schockierend. Der 32-jährige Milchwagenfahrer Charles Carl Roberts war mit einer Pistole, einem Gewehr, einer Flinte und zwei Messern in die nur aus einem Klassenraum bestehende Schule eingedrungen, in der 26 Kinder unterrichtet wurden.

Nur Mädchen mussten bleiben

15 Buben, eine Schwangere und drei Frauen mit Babys ließ er gehen. Dann reihte er die Mädchen an der Tafel auf und fesselte sie an den Füßen. Der Täter warnte die Polizei, nicht näher zu kommen. Als kurz darauf Schüsse zu hören waren, stürmten die Beamten den Raum, dessen Türen der Mann verbarrikadiert hatte.

Roberts habe den Kindern wie bei einer Hinrichtung in den Kopf geschossen, sagte der Polizeichef. Zwei Schülerinnen im Alter von sechs und 13 Jahren, sowie eine jugendliche Assistentin waren sofort tot. Eines der Mädchen starb in den Armen eines Polizisten. Am Dienstag erlagen dann zwei weitere Schülerinnen ihren schweren Verletzungen. Der 32-Jährige hatte seiner Frau erzählt, er habe vor Jahrzehnten Kinder sexuell belästigt. Er hatte auch eine Notiz hinterlassen, er "träume davon es wieder zu tun", sagte Jeffrey Miller von der Polizei des US-Bundesstaats Pennsylvania. Familienmitglieder hätten allerdings nichts über die angeblichen Vergehen des Mannes gewusst. Am Morgen der Tat hatte Roberts, der kein Amish war, laut Augenzeugenberichten noch seine Kinder wie an jedem Wochentag zur Schulbushaltestelle gebracht. Die Schule wählte der Mann eher zufällig, einfach weil sie in der Nähe lag. (Reuters, red) (Reuters, red; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2006)

Wissen
Die Amish sind eine christliche Religionsbewegung. Sie flohen Anfang des 18. Jahrhunderts in die USA, weil sie unter anderem wegen ihres Pazifismus in Europa verfolgt wurden. Heute leben rund 150.000 von ihnen in 19 US-Bundesstaaten und in der kanadischen Provinz Ontario. Die Amish lehnen die Benutzung fast aller modernen Technik wie Telefon oder Strom ab und tragen altmodisch anmutende Trachten. Eine typische Amish-Familie zieht zwischen sechs und zehn Kinder auf. Amish lehnen neben Kindergeld und Sozialhilfe auch jede andere Absicherung von außen ab. (red)
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    Ein bewaffneter 32-Jähriger drang am Montag in einen Unterrichtsraum der Amish-Gemeinschaft im US-Staat Pennsylvania ein, trennte die Schülerinnen von den Schülern und erschoss drei Mädchen.

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