Schach-WM: Remis nach Klo-Affäre

4. Oktober 2006, 20:26
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Kramnik und Topalow zurück am Brett, der Russe führt 3,5:2,5

Elista - Nach der Beilegung des Toilettenstreits haben die Großmeister Wladimir Kramnik (RUS) und Weselin Topalow (BUL) ihr Match um die Schach-Weltmeisterschaft fortgesetzt. Beim Stand von 3:2 für den Russen folgten beide Spieler am Montag nach dreitägiger Spielpause und vielen Querelen der Aufforderung des FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumschinow, den besten Spieler des Planeten am Brett und nicht außerhalb zu ermitteln. Die sechste Partie endete schon nach 31 Zügen remis. Damit führt Kramnik, der unter Protest spielte, bei Halbzeit des WM-Duells mit 3,5:2,5.

Topalow, der die fünfte Partie durch Kramniks Nichtantritt kampflos gewonnen hatte, wählte mit Weiß wieder das Damengambit. Der Bulgare konnte den Weltmeister im klassischen Schach aber in keiner Phase in Verlegenheit bringen. Nachdem jeder Spieler nur noch einen Läufer und fünf Bauern besaß, wurde der Punkt geteilt. Es war die bisher kürzeste WM-Partie in Elista in Südrussland.

Eigene Toiletten für beide Spieler

FIDE-Präsident Iljumschinow hatte zuvor im Toilettenstreit die Forderungen Kramniks weitgehend erfüllt. Beide Spieler dürfen eigene Toiletten benutzen. Kramnik erhielt für den Rest der WM den größeren Ruheraum. Zudem wurde das bisherige Schiedsgericht suspendiert. Hingegen blieb der Minuspunkt des Moskauers aus der fünften Partie - eine Tatsachenentscheidung, gegen die nicht fristgemäß protestiert wurde - aus sportjuristischen Gründen bestehen.

Kramnik soll zuvor nach Meinung der bulgarischen Seite zwischen den einzelnen Zügen übermäßig oft aus seinem Ruheraum auf die Toilette gegangen sein. Dort kann ihn keine Videokamera überwachen. Das Appellationskomitee legte auf Protest des FIDE-Weltmeisters Topalow fest, dass beide Spieler die selbe Toilette benutzen müssen, um besser kontrolliert werden zu können. Kramnik beharrte jedoch auf dem WM-Vertrag, in dem jedem Spieler ein eigener Ruheraum nebst Toilette zugesagt war. Deshalb erschien der Weltmeister im klassischen Schach nicht zur fünften Partie.

Iljumschinow bedankte sich bei den Akteuren für ihr "weises und kluges" Verhalten. Nach Angaben der bulgarischen Zeitung "Standart", die sich auf Topalows Manager Silvio Danailow beruft, habe die russische Regierung "angeordnet", dass der Wettkampf weitergeführt werden müsse. Durch den Psychokrieg der vergangenen Tage ist der bisherige WM-Zeitplan gehörig durcheinander gekommen. Denkbar ist, dass einige Ruhetage gestrichen werden, damit am 12. Oktober der einzige Schachweltmeister feststeht. (APA/dpa)

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