Bosnien: Siljadzic gewinnt

3. Oktober 2006, 07:25
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Kroaten stimmten für Sozialdemokraten

Sarajewo/Belgrad - Trotz einer nationalistischen Wahlkampagne verliefen die Wahlen in Bosnien und Herzegowina (BiH) ruhig. Gewählt wurde das dreiköpfige, aus je einem Bosniaken, Serben und Kroaten bestehende Staatspräsidium, das Bundesparlament, sowie die Parlamente der zwei Entitäten - der moslemisch-kroatischen Föderation und der "Republika Srpska" (RS) - und die Volksvertretungen in den zehn Kantonen der Föderation. In der RS wurde gleichzeitig der Präsident gewählt. Die Wahlbeteiligung lag knapp unter 53 Prozent.

Das Rennen für den bosniakischen Vertreter im Präsidium gewann Haris Siljadzic , Chef der "Partei für BiH" (SbiH), vor dem bisherigen Amtsinhaber, Sulejman Tihic von der "Partei der demokratischen Aktion" (SDA). Siljadzic setzte sich für eine Verfassungsänderung ein, die ein Zusammenwachsen Bosniens in einen "funktionsfähigen" Staat ermöglichen sollte.

Für die größte Überraschung sorgte der Kroate Zeljko Komsic, Kandidat der "Sozialdemokratischen Partei" (SDP). Laut inoffiziellen Medienberichten soll er in einem Kopf an Kopf Rennen für das Präsidium seinen Kontrahenten von der - unter den bosnischen Kroaten bisher unantastbaren - nationalistischen "Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft" (HDZ), geschlagen haben. Nationalistische kroatische Gruppen protestierten gleich, Komsiæ könne nicht kroatische Interessen vertreten, da auch Mitglieder anderer Volksgruppen für ihn gestimmt hätten.

In der RS siegte das "Bündnis unabhängiger Sozialdemokraten" von Premier Milorad Dodik. Die ultranationalistische "Serbische demokratische Partei" (SDS) wurde mit den eigenen Waffen geschlagen: Dodik hatte mit einem Unabhängigkeitsreferendum gedroht, falls Sarajevo die Befugnisse der RS einschränken sollte. Ein vor der Wahl abgeschlossenes Abkommen über "spezielle Beziehungen" zwischen Serbien und der RS sicherte ihm den Sieg. (Andrej Ivanji/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2006)

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