"Wir fahren über niemanden drüber"

24. Oktober 2006, 14:27
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"Das Match um Europas Einrichtungsmarkt wird in Deutschland entschieden." XXXLutz-Chef Thomas Saliger im STANDARD-Gespräch über das Duell mit Ikea und Möbel aus China

DER STANDARD: Lutz eröffnet diese Woche ein neues Möbelhaus in Zell am See. Standorte in Steyr, Spittal und Zwettl folgen. Lässt sich am umkämpften österreichischen Einrichtungsmarkt überhaupt noch Geld verdienen?

Saliger: Das müssen wir. Aber Möbel kosten heute oft weniger als vor 50 Jahren, und wir sind personalintensiv. Unsere Größe hilft uns, die Einkaufspreise zu senken. Auch die Industrie wird leistungsfähiger.

DER STANDARD: Müssen Lieferanten den Gürtel noch enger schnallen? Lutz ist mit seinen Sonder-Rabattforderungen an die Industrie stark angeeckt ...

Saliger: Wir wären keine guten Händler, würden wir nicht hart einkaufen. Jubiläumsrabatte sind im Handel üblich – das was die Möbelbranche tut ist ja harmlos. Wir verstärken die Werbung und laden Lieferanten ein, mitzumachen. Sie machen mehr Umsatz, dafür wollen wir einen Bonus.

DER STANDARD: Wann werden sich die Österreicher mit Möbeln aus China einrichten?

Saliger: Drehstühle, Couchtische – das könnte ein Thema werden. Aber bei einer Wohnwand aus China hätten wir Bedenken, und eine Küche aus China wird es nie geben. Die Chinesen wollen 5000 gleiche Sitzgarnituren liefern, das ist nur für den Diskont interessant. Österreichs Produzenten müssen sich nicht fürchten.

DER STANDARD: Die Lutz-Gruppe betreibt nach zahlreichen Akquisitionen die Hälfte der Standorte in Deutschland. Sehen Sie sich nach neuen Zukäufen um?

Saliger: Es gibt rundum Gespräche. Wir sind in Deutschland die erste Adresse für Übernahmen. Viele verkaufen ihr Lebenswerk an uns, denn wir kommen nicht und fahren über alles drüber. Das gefällt Eigentümern. Auch wenn wir nicht den besten Preis zahlen.

DER STANDARD: Zwei Übernahmen sind im Visier des Wiener Kartellgerichts. Lutz ließ die Zukäufe hier nicht absegnen. Jetzt droht eine Millionenstrafe...

Saliger: Das ist ein laufendes Verfahren. Ob die Übernahmen Folgen auf den österreichischen Markt haben, darüber kann man juristisch streiten. Wir sagen, es gibt keine.

DER STANDARD: Lutz zieht immer wieder auch den Ärger der Gewerkschaft an. Warum mögen Sie keine Betriebsräte?

Saliger: Das stimmt so nicht. Wir haben in einigen deutschen Häusern Betriebsräte.

DER STANDARD: In Österreich nicht.

Saliger: Nein. Aber das hat in Deutschland mehr Tradition. Vielleicht ist das ja auch eines der Probleme Deutschlands. Wenn ich mich mit einem Betriebsrat darüber unterhalten muss, ob ich in einem Cola_automaten lieber Dosen oder Flaschen habe, läuft was falsch. Wir haben flache Hierarchien und machen uns lieber alles mit Mitarbeitern direkt aus.

DER STANDARD: Die Gewerkschaft spricht von massivem Druck.

Saliger: Sie hätte es in München ja sogar soweit gebracht, dass der Standort geschlossen wird. Wir vernichten keine Jobs, wir schaffen sie. Das wird immer wieder vergessen.

DER STANDARD: Ikea macht sich für den offenen Sonntag stark. Warum ist das für Sie kein Thema?

Saliger: Jobs im Handel werden damit unattraktiv. Ikea kann leicht für die Sonntagsöffnung sein, sie brauchen nur jemanden, der die Regale voll räumt. Das sind McJobs, das kann jeder. Wir glauben, Möbel lassen sich nur über Beratung verkaufen.

DER STANDARD: Lutz macht Ikea dennoch mit gleichen Waffen Konkurrenz: Diskonter Mömax sieht Ikea zum Verwechseln ähnlich. Fehlen eigene Ideen?

Saliger: Ikea hat nicht alles auf der Welt erfunden. Wir sind zudem keine 1:1 Kopie. Aber wer allein in einem Segment sitzt, der muss damit rechnen, dass jemand dazustößt. Wir setzen Ikea kleine Stiche zu, die sukzessive mehr werden.

DER STANDARD: Osteuropa überlassen Sie aber der Konkurrenz.

Saliger: Wir schließen die Expansion nach Osteuropa nicht aus. Aber ein einziges Möbelhaus in München macht soviel Umsatz wie sieben Häuser im Osten. Wenn andere groß Eröffnung in Prag feiern, ist das Pipifax. Das Match um den europäischen Möbelmarkt wird in Deutschland entschieden. /Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2006)

  • Zur Person Thomas Saliger (38) ist seit 2001 Mitglied der XXXLutz-Geschäftsführung. Die Möbelgruppe setzt mit 15.500 Mitarbeitern 2,2 Mrd. Euro um.
    foto: standard

    Zur Person
    Thomas Saliger (38) ist seit 2001 Mitglied der XXXLutz-Geschäftsführung. Die Möbelgruppe setzt mit 15.500 Mitarbeitern 2,2 Mrd. Euro um.

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