Vier Stunden Fleißarbeit

24. Oktober 2006, 15:43
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Die Österreicher arbeiten im Durchschnitt 4,1 Stunden pro Woche länger als im Kollektivertrag vorgesehen. Sie liegen damit an der Spitze eines EU-weiten Vergleichs

Dublin/Wien – In allen EU-Staaten arbeiten die Beschäftigten deutlich länger als es der Kollektiv- oder Tarifvertrag vorsieht. Wie die neue Arbeitszeitstudie des EU-Forschungsinstituts European Industrial Relations Observatory zeigt, ist in den neuen EU-Staaten sowohl die vereinbarte als auch die tatsächliche Wochenarbeitszeit höher als in den alten Mitgliedsstaaten.

Österreich gehört zu jenen fünf EU-Staaten, in denen der Unterschied zwischen tatsächlichen und vereinbarten Wochenarbeitsstunden zwischen vier und fünf Stunden ausmacht. Die anderen Staaten sind Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien, wobei die Kluft auf der Insel im EU-Vergleich am größten ist.

Die Österreicher arbeiten im Durchschnitt 4,1 Stunden länger als vereinbart. In Deutschland sind es 4,6 Stunden, in Großbritannien exakt fünf Stunden.

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Österreich stehen mit einer 40-Stunden-Woche an der Spitze der Skala, in den alten EU-Staaten beträgt deren Arbeitszeit im Durchschnitt lediglich 37,1 Wochenstunden.

Die in Kollektiv- oder Tarifverträgen fixierten Arbeitszeiten bewegen sich generell zwischen 40 Stunden in Griechenland und 35 Stunden in Frankreich, wobei Österreich mit 38,8 Wochenstunden im Mittelfeld ist.

Große Unterschiede gibt es in Europa auch, was das vorgeschriebene Minimum an Urlaubstagen pro Jahr betrifft. In Schweden zahlen Arbeitgeber 33 Urlaubstage, in Dänemark und Deutschland 30 Tage, in Zypern und Slowenien jedoch nur 20 Tage – was einen Unterschied von zwei Urlaubswochen pro Jahr ausmacht. Österreich liegt mit 25 bezahlten Urlaubstagen im EU-Durchschnitt und in einer Gruppe mit Tschechien, Finnland, Frankreich und Norwegen. Wenn man nur die alten Mitgliedsstaaten und Norwegen zum Vergleich heranzieht, die im Durchschnitt auf 26,8 Urlaubstage pro Jahr kommen, so fällt der Vergleich zu Ungunsten der Arbeitnehmer in Österreich aus. Die neuen EU-Staaten und die Beitrittskandidaten gewähren ausschließlich nur das in der EU-Arbeitszeitrichtlinie vorgeschriebene Minimum von 20 Urlaubstagen pro Jahr. Generell fällt auf, dass die sozialen Standards in den neuen Mitgliedsstaaten unter jenen in den alten Staaten liegen. Seit dem Jahr 2000 gab es im Übrigen einen leichten Anstieg der Urlaubstage von 25,6 auf 26,8 pro Jahr.

Die Beschäftigten in den neuen EU-Staaten kommen bedingt durch längere Wochenarbeitszeiten auch auf eine höhere Jahresarbeitszeit. 1808,8 Stunden im Vergleich zu 1707,8 in den alten EU-Staaten. Das macht über das Jahr gerechnet einen satten Unterschied von zweieinhalb Arbeitswochen aus. So hat ein Ungar im Durchschnitt im Jahr eine um 19 Prozent längere Arbeitszeit als ein Franzose – was siebeneinhalb Arbeitswochen pro Jahr ausmacht. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2006)

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