Bwin drohen Umsatzverluste

19. Oktober 2006, 13:47
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Experten fürchten Verlust von einem Fünftel der Roherträge und hohe Goodwill-Abschreibungen

Wien - Dem börsenotierten Internet-Wettanbieter bwin droht durch eine neue Gesetzeslage in den USA der Verlust des gesamten US-Geschäftes. Auch eine Goodwill-Abschreibung - möglicherweise bis zur Hälfte des Eigenkapitals - dürfte unvermeidlich sein. Eine totale Gefährdung der bwin sei aber nicht gegeben, viel hänge nun vom Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen etliche europäische Länder ab, so Aktienanalysten am Montag.

"Es ist noch nicht das Ende von bwin, es ist einfach für das Wachstum, den Goodwill und den künftigen Umsatz schlecht", so Erste Bank-Aktienexpertin Maria Veronika Sutedja. bwin habe im ersten Halbjahr 22 Prozent seiner Bruttoroherträge mit der kürzlich erworbenen Tochter Ongame in den USA erwirtschaftet. Dieser gesamte Umsatz könnte ab dem vierten Quartal wegfallen, sollte das Gesetz in Kraft treten, so Sutedja. Sollte so was Ähnliches auch noch in Deutschland passieren, wäre das wirklich schlimm, dann wäre die Hälfte des Umsatzes weg.

Unerwartete US-Entscheidung

Die Entscheidung des US-Kongresses sei unerwartet, sehr rasch und in der extremsten Form gekommen. Sie habe nicht nur Online-Gaming-Firmen betroffen, sondern auch Kreditkarten- und Bankgesellschaften seien miteinbezogen worden, so Leopold Salcher, Analyst der Raiffeisen Centrobank (RCB). Es sei aber schwierig, die Höhe der Goodwill-Abschreibungen einzuschätzen, da zum Einen der Kaufpreis für die schwedische Ongame noch nicht entrichtet wurde und auch noch nicht ganz feststehe, da 15 Prozent des 60-prozentigen Cash-Anteiles performanceabhängig sei.

Kapitalerhöhung im März

bwin habe erst im März ein Kapitalerhöhung gemacht, das Geld dafür großteils für die Akquisition von Ongame ausgegeben. Geld sei aber noch da, sieht Sutedja noch keine ernsthafte Gefahr für das Unternehmen. Sollten die Marketingausgaben aber weiter hoch bleiben und die Umsätze zurückgehen, könnte sich sehr wohl ein Cash-Problem ergeben.

Sollte das Gesetz in Kraft treten, würde das für bwin bedeuten, dass es in den USA ab dem vierten Quartal keine Umsätze mehr macht. Ongame habe zuletzt 79 Prozent seiner Umsätze in den USA erzielt. Zu erwarten wäre auch eine Goodwill-Abschreibung für Ongame, die derzeit mit 400 Mio. Euro in den Büchern berücksichtigt sei. Über die Höhe der notwendigen Abschreibung müssten die Buchprüfer entscheiden, sollte sie jedoch - entsprechend dem Umsatzanteil in den USA - rund 300 Mio. Euro ausmachen, entspreche dies rund der Hälfte des Eigenkapitals von zuletzt 573 Mio. Euro.

"Das wäre schon ein super negativer Verlust", so die Erste-Analystin. Zudem wäre durch das Geschäftsverbot in den USA das Potenzial für das künftige Wachstum niedriger, da die USA mit einem Marktanteil von 40 Prozent der größte Online-Wettmarkt sind. Auch sei damit die ursprüngliche Strategie von bwin, über Ongame Sportwetten auch in den USA anbieten zu können, hinfällig. Sonst sei Ongame ein profitables Unternehmen, deren Margen größer als jene von bwin gewesen sind.

Werbebeschränkungen

Auch die Aussichten in Europa dürfe bwin nicht außer Acht lassen, so Salcher weiter. Durch Werbebeschränkungen würden Umsätze und Roherträge wegbrechen. Der europäische Markt konsolidiere derzeit, der Markt werde zunehmend heftiger umkämpft. Nach dem Aus in den USA hätten Partygaming und Sportingbet bereits eine verstärkte Bearbeitung des europäischen Marktes angekündigt, was für bwin eine zusätzliche Konkurrenz darstelle.

Die bwin-Aktie hat am Montag bis gegen 17:20 Uhr knapp 34 Prozent ihres Wertes auf 13,80 Euro eingebüßt. Das bisherige Tagestief lag bei 13,35 Euro. Gehandelt wurden fast 1,8 Millionen Aktien. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie 84 Prozent. (APA)

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