Das Geheimnis der Mauer

4. Oktober 2006, 13:57
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Erstmals mit dem Tod konfrontiert, beginnen zwei Mädchen mit der Suche nach ihrer verstorbenen Großmutter - Von Mario Aschbacher

„Dann müssen wir halt noch älter werden.“ – ein Satz aus Eva Hausbergers Film „Bildein“, mit dem sie ihre Ausbildung an der FH Salzburg im Jahr 2006 abgeschlossen hat. Anders als in ihrem vorangegangenem Animationsfilm („Die Leiberl der Barbara Wilding“, 2004) stellt sie nun echte Lebewesen in eine interessante Situation.

Erstmals mit dem Tod konfrontiert, beginnen zwei Mädchen mit der Suche nach ihrer verstorbenen Großmutter. Bei den von ihnen besuchten Plätzen, welche Verbindungen zur Erinnerung an die Oma herstellen, kommen sie zu einer Mauer, deren Dahinter die Neugier der Elfjährigen weckt und sie zugleich fesselt. Während der Zuschauer ebenfalls gefesselt den Umgebungsbildern Aufmerksamkeit schenkt, welche großen Wiedererkennungswert besitzen, sind die Mädchen immer stärker vom Geheimnis des Verborgenen gebannt.

Doch sie kommen nicht dahinter und beschließen ihre Weisheit mit den Worten „Dann müssen wir halt noch älter werden.“ im Alter festzulegen. Und was „Alter“ bedeutet, erschließt sich für das junge suchende Leben aus dem Verhalten und den Gewohnheiten der Vielzahl an gleich agierenden Menschen: unserer Gesellschaft. So ist für sie das Rauchen eine wichtige und rasche Form des Älterwerdens.

Will man die alte Mauer interpretieren, so hat sie genau wie die Großmutter der Kinder viel Geschichte in der Ortschaft Bildein erlebt. Je nach Ansicht kann sie viel erzählen, viel Wissen und Erfahrung ist von ihr ablesbar – wenn man nur in der Lage ist, ihr artgerecht zuzuhören und sich ihr zu widmen. Ihre Robustheit, Vertrautheit, Beständigkeit und das Gefühl, sich über ein Medium und dessen Dasein hinauszuentwickeln, macht sie für den Nachwuchs zu einem anziehenden Zufluchtsort.

Die Charaktere, die Erfahrung sammelnden Personen Valerie und Ida, sind in einer Form gezeichnet, welche als zu reif angesehen werden kann. Sie spiegeln in einer phantasievollen Weise die Vorurteile der „Erwachsenen“ über unwissende und unreife Vorpubertäre wider. Schließlich wissen die beiden genau, was sie ehrgeizig und mit klarem Ziel verfolgen. Sie entwickeln Gedankengänge aus kleinen Gegebenheiten, an denen manch älterer Mensch nicht unbedingt viel Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit findet.

Die Regisseurin lässt dem Zuschauer mit viel Einfühlungsvermögen in Stimmung und Zeit eine große Bandbreite an Interpretationsfreiheit und möglichem Mitgefühl. Neben den immer spannender werdenden Ereignissen, begleitet von den sich aufklärenden Geschehnissen, entwickelt sich eine erstaunliche Geschichte voller Verständnis für die Generationen und Lebhaftigkeit, mit mitreißender Spannung und einem unerwarteten und nachdenklich-interessanten Ende.

  • Die Hauptcharaktere Valerie und Ida.
    foto: videoundfilmtage

    Die Hauptcharaktere Valerie und Ida.

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