Mello: Überraschungsanruf aus Stockholm statt Jogging-Routine

2. Oktober 2006, 16:54
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Forscher hielt sich selbst für "viel zu jung" und seinen Erfolg für "viel zu frisch", um ausgezeichnet zu werden

New York/Stockholm - Eigentlich hatte der US-Genforscher Craig C. Mello (45) am Montag wie gewohnt vor Morgengrauen joggen wollen. "Ich laufe jeden Tag eine Stunde, um fit zu sein für das Labor", sagte der frisch gekürte Nobelpreisträger später in einem Telefongespräch. Doch noch bevor er in physisch ins Laufen kam, geriet er psychisch ins Schwitzen. Um 4.40 Uhr in der Früh (Ortszeit) kam der Anruf aus Stockholm und holte die ganze Familie aus dem Bett.

"Ich war total überrascht", bekannte der 45-Jährige. Selbst wenn er Gerüchte aus Schweden gehört haben sollte, hielt er sich doch noch für "viel zu jung" und seinen Erfolg für "viel zu frisch", um die höchste wissenschaftliche Auszeichnung weltweit für sich ins Kalkül zu ziehen.

Werdegang

Mello begann seine Ausbildung zum Biochemiker an der Brown University in Rhode Island. Er promovierte als Experte für Zell- und Entwicklungsbiologie an der Harvard-Universität in Boston und setzte seine Forschung an einem der führenden Krebsforschungszentren der USA fort, dem Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, bevor er 1995 zur Universität von Massachusetts nach Worcester ging. Vor dem Nobelpreis wurden Mello und Fire bereits mit dem großen Preis der amerikanischen National Academy of Sciences sowie mit dem Wiley Prize der Rockefeller University in New York geehrt. Neben weiteren Auszeichnungen in den USA und Kanada nahm das Forscher-Duo in diesem Jahr den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preis in Deutschland entgegen.

Wenn ihm die Forschung Zeit lässt, ist Mello am liebsten auf dem Wasser. "Ich bin ein begeisterter Segler und stelle mich jedem Wind", sagte er. Am liebsten nimmt er die ganze Familie mit an Bord, "aber das wird immer schwerer". Außer dem Nesthäkchen Victoria (6) ist Mello Vater von drei Teenagern, die natürlich am liebsten schon ihre eigenen Wege gehen: "Sarah ist 15, Melissa 14 und David 13." (APA/dpa)

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