Es sexelt im Kunstsystem

3. Oktober 2006, 07:00
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Eine Zitrone für das Kunsthaus Wien, das mit einem überlebensgroßen Porno-Akt von Pamela Anderson um Aufmerksamkeit wirbt

In einer Personale mit dem schlichten Titel "Photographs" huldigt man im Kunsthaus Wien ab 12. Oktober den Arbeiten des US-amerikanischen Starfotografen Sante D'Orazio. Die auf der Homepage des Hundertwasserhauses als "großzügiges Fest des Fleisches" (Francesco Clemente) bezeichneten Arbeiten setzen sich u.a. aus Porträts von Stars der amerikanischen Unterhaltungsindustrie sowie Mode- und Lifestylefotos zusammen.

Zuletzt trat der Fotograf, der wegen der verwandten Formensprache/Motivwahl meist in einem Atemzug mit Helmut Newton genannt wird, allerdings mit einer anderen Arbeit in Erscheinung: Sein kürzlich veröffentlichter Bildband "Pam: American Icon" zeigt Pamela Anderson so, wie die plastische Chirurgie sie schuf. Selbstredend, dass in der Ausstellung die Akte des weltberühmten Play Mates nicht fehlen dürfen. Und *Donnerwasser! Das wird ein Hingucker!* hat man sich in der Marketing-Abteilung dazu entschieden, von den 160 Fotos, die in der Ausstellung zu sehen sein werden, ausgerechnet jenes als Werbesujet auszuwählen, auf dem Anderson nackt, auf High Heels vor einer Wand hockt.

Keine staatlichen Subventionen

Niemals würden wir uns erlauben, dem Kunsthaus die Auswahl seiner KünstlerInnen oder die Präsentation seiner Ausstellungen vorzuschreiben. Schließlich ist es doch "das erste privatwirtschaftlich geführte Museum in Österreich" und kommt ganz und gar "ohne staatliche Subventionen" aus. Was wir aber schon können, ist ihm eine Auszeichnung für die billigste Werbekampagne zu verleihen, die in den letzten Jahren in Wien für eine Kunstausstellung gemacht wurde.

Wie das Kunsthaus selbst auf seiner Homepage über die Arbeit des italo-amerikanischen Künstlers meint: "Das Bild wird sich selbst arrangieren, für sich selbst sprechen." Im öffentlichen Raum, etwa neben der Hauptuniversität am Ring, raunt es nun den Studentinnen zu, unter welchen körperlichen und wohl auch "privatwirtschaftlichen" Bedingungen sie einen überlebensgroßen Platz auf Litfasssäulen ergattern können. (freu)

03.10.2006
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