Weiterer Rückschlag - Aktien verlieren 21,6 Prozent

2. Oktober 2006, 15:05
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US-Gesetzesentwurf erschwert für Internet-Wettgesellschaften die Abrechnung der Wetteinsätze - Auswirkungen noch unklar

London - An der Londoner Börse sind am Montag die Aktien von Internet-Glücksspielanbietern drastisch eingebrochen. Grund ist ein am Samstag vom US-Kongress verabschiedetes Gesetz, das Kreditkartenbetreibern verbietet, Zahlungen für Wetteinsätze im Internet auszuführen. Das Gesetz wurde vom Repräsentantenhaus und vom Senat gebilligt und soll nun binnen zwei Wochen von Präsident George W. Bush unterzeichnet werden.

Die in London notierten Aktien von PartyGaming, dem weltgrößten öffentlich gehandelten Online-Gaming-Unternehmen, sackten heute 58 Prozent ab, 888 Holdings, Betreiber des weltgrößten Online-Casinos, verloren 48 Prozent, Sportingbet gaben 69 Prozent nach und bricht die Kaufgespräche mit World Gaming ab, deren Aktien ebenfalls deutlich um 76 Prozent einbrachen. Von den Neuigkeiten ebenfalls stark betroffen waren Empire Online - besitzt unter anderem die Online-Gaming-Marke Club Dice - mit Minus 25 Prozent, NETeller, ein britischer Anbieter von Geldtransfers für Online-Gaming-Gesellschaften verlor 61 Prozent.

Auch die heimische bwin ist von den Kurseinbrüchen betroffen, die bwin-Aktien verlieren an der Wiener Börse bis gegen 14:40 Uhr knapp 25 Prozent auf 15,67 Euro. Eine Unternehmenssprecherin meinte, die Lage sei derzeit noch recht unübersichtlich, die Auswirkungen des neuen US-Gesetzes auf bwin noch unklar.

Hafensicherheits-Gesetz

Das vor allem von den Republikanern unterstützte Gesetz verbietet Kreditkartenfirmen und Banken auf Kundenwunsch den meist außerhalb der USA ansässigen Internet-Glücksspiel-Unternehmen Geld anzuweisen, berichtete die "Washington Post". Die am Freitag mit großer Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus beschlossene Bestimmung, das dem neuen Hafensicherheits-Gesetz angehängt wurde, benötigt vor Inkrafttreten noch die Unterschrift von US-Präsident George W. Bush.

Damit sei die gesamte Glücksspiel-Industrie im Internet bedroht, die laut Schätzung weltweit zwischen 12 und 15 Milliarden-Dollar (9,5 und 11,9 Mrd. Euro) umsetzt. Vier Wochen vor den Kongress-Wahlen hofften die Republikaner mit dem Beschluss gegen das Internet-Glücksspiel vor allem konservative und religiöse Wähler beeindrucken zu können, so der Vorwurf der Demokraten, von denen aber fast alle auch für das Gesetzespaket stimmten.

"Schattenwirtschaft"

Die neue Bestimmung nehme eine "Schattenwirtschaft" ins Visier, die schlicht illegal sei, meinte der der Führer der republikanischen Mehrheitsfraktion im Senat, Bill Frist. Das kaum zu kontrollierende Glücksspiel im Internet eröffne Geldwäschern und anderen illegalen Geldgeschäften Tür und Tor, meinen die Republikaner. Etwa die Hälfte des Spielumsatzes im Internet wird einem Kongressbericht zufolge in den USA gemacht.

Bereits am Wochenende hatten mehrere Glücksspielanbieter angekündigt, ihre Geschäfte in den USA dann auszusetzen. Sie warnten vor erheblichen Gewinneinbrüchen, da sie einen großen Anteil ihrer Geschäfte in den USA machen.

Bisher war die US-Gesetzgebung zum Glücksspiel im Internet eher vage, die Branche rechnete aber bereits seit zwei Jahren mit einer Verschärfung. Der Kongress beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1961, das die Nutzung von bundesstaatlichen Grenzen überschreitenden Telefonleitungen für Wetteinsätze verbietet und das organisierte Verbrechen bekämpfen sollte.

"Scheinheiligkeit"

Der Chef des Online-Poker-Anbieters PartyGaming mit Sitz auf Gibraltar, Mitch Garber, warf den USA am Montag in London Scheinheiligkeit vor. Pferderenn-Wetten und staatliche Lotterien stünden im Gegensatz zum Poker unter dem ausdrücklichen Schutz des neuen Gesetzes.

In den vergangenen Wochen waren mehrere Geschäftsführer von Internet-Glücksspielanbietern in den USA festgenommen worden. Der Chef des Anbieters Sportingbet, Peter Dicks, durfte nur gegen Zahlung einer Kaution nach Großbritannien zurückkehren, wo er von seinem Amt zurücktrat; der Chef von BetOnSports, David Carruthers, darf den US-Bundesstaat Texas vorerst nicht verlassen und wurde entlassen.

Auch Europa geht verschärft gegen die Anbieter von Glücksspielen im Internet vor: In Frankreich wurden vor rund zwei Wochen die beiden österreichischen Chefs des Sportwettenanbieters bwin wegen illegalen Betriebs von Glücksspielen festgenommen und erst gegen Kautionen von je 300.000 Euro auf freien Fuß gesetzt. Sie waren im Trainingszentrum des Fußballclubs AS Monaco in Südfrankreich festgenommen worden, wo sie bwin als Sponsor des Vereins vorstellen wollten. (APA/AFP/dpa)

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