Mobilfunkantennen in die Stratosphäre verbannen

10. Oktober 2006, 10:19
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Fliegende Plattform für drahtlose Mobilfunkübertragung erfolgreich getestet

In Zusammenarbeit mit mehreren Instituten der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich will der gebürtige iranische Luftfahrtingenieur Kamal Alavi die heutigen Mobilfunkantennen überflüssig machen. Sein Projekt sieht vor, fortschrittlichste Antennen-Technologie in ein unbemanntes Kleinflugzeug zu packen, das an einem mit Helium gefüllten, rund 70 Meter langen Zeppelin-ähnlichen Ballon hängt. Am vergangenen Freitag stieg vom Zugersee aus erstmals ein Testballon auf die Höhe von 21 Kilometer. Für den ersten Stratosphären-Test vom letzten Freitag wurde das Ufer des Zugersees gewählt, nicht weit von Walchwil entfernt, dem Domizil von Kamal Alavis Firma StratXX.

Durch einen Propellerantrieb des Kleinflugzeugs stabilisiert

Dieser Ballon wird geostationär in der Stratosphäre positioniert und durch einen Propellerantrieb des Kleinflugzeugs stabilisiert. Eine einzige Plattform aus der Stratosphäre soll dabei eine Landfläche von über 1.000 Kilometer Durchmesser abdecken. Kamal Alavi gab sich nach dem Test zufrieden über den Testlauf der "X-Station", die fliegende Plattform, die neben der drahtlosen Handy- auch Internet-, TV- und Radioübertragungen ermöglichen soll. Alavi: "Dieser Test ist ein Meilenstein in der Entwicklung der X-Station und stellt die Funktionsfähigkeit unserer Near-Space-Technologie unter Beweis. Gleichzeitig ist er Startschuss für die Prototyp-Phase des Projekts."

WiMAX

Damit das Ganze funktioniert, ist allerdings das neue Mobilfunk-Protokoll WiMAX zwingende Voraussetzung (Worldwide Interoperability for Microwave Access). WiMAX ermöglicht es, auf eine Distanz von 30 Kilometer zu senden. Ob sich die Mobilfunkanbieter für WiMAX entscheiden, ist aber nach Auskunft von Gregor Dürrenberger von der Forschungstiftung Mobilkommunikation www.mobile-research.ethz.ch völlig offen. "Betriebswirtschaftlich ist das noch nicht durchdacht." Wie Dürrenberger gegenüber pressetext betont, ist es auch keineswegs sicher, dass sich durch eine "stratosphärische Antenne" die Strahlenbelastung durch Mobilfunktelefonie reduzieren liesse. "Die Strahlenbelastung von der Ballon-Plattform mag geringer ausfallen - im Gegenzug braucht es aber Mobilfunktelefone mit stärkerer Leistung." Was zwangsläufig zur Frage führe, ob die gesetzlichen Grenzwerte für Mobilfunktelefon-Strahlung eingehalten werden können.

Fragezeichen

Rüdiger Vahldieck, ETH-Professor für Feldtheorie am Institut für Feldtheorie und Höchstfrequenztechnik, wiederum setzt ein Fragezeichen hinter Alavis Optimismus bezüglich der in Aussicht gestellten Kapazitäten der fliegenden Antenne. Dass eine einzige Station Handyantennen in der Schweiz überflüssig mache, könne für den Moment zutreffen. Aber künftig werde die Kapazität einer einzelnen Plattform nicht reichen, um die immer noch exponentiell steigenden Datensatzraten in der Zukunft zu verarbeiten. Dafür seien weiterhin auch terrestrische Systeme nötig, sagte Vahldieck vergangene Woche gegenüber der Newssendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens.

Weitere Tests

Luftfahrtingenieur Alavi gibt sich nichtdestoweniger zuversichtlich: "Bis zum geplanten ersten Launch der X-Station sind noch sieben weitere Tests geplant. Ich rechne damit, dass das System 2009 marktreif und für einen Dauerbetrieb bereit sein wird." Für die Entwicklung der fliegenden Handy-Antenne hat Kamal Alavi unter anderen Forschungsinstitutionen der ETH, die Materialforschungsanstalt Empa und das Schweizer Luft- und Raumfahrtunternehmen Ruag Aerospace gewinnen können. Von der ETH Zürich sind unter anderen das Zentrum für Produktentwicklung, die Professuren Siegwart (Autonome Systeme) und Ermanni (Strukturtechnologien) am Projekt beteiligt.(pte)

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