Delphi soll durch Hedgefonds saniert werden

22. Oktober 2006, 19:03
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Vorher Kahlschlag und Abbau von 20.000 Mitarbeitern - Gewerkschaft kritisiert Einfluss von Finanzinvestoren

New York - Seit Wochen arbeiten Spitzenleute der US-Automobilbranche an einem Abkommen, das den weltweit größten Zubehörhersteller Delphi Corporation aus dem Insolvenzverfahren führen soll. Die einstige Tochter der General Motors Corp (GM) hatte angesichts hoher Verluste im Oktober vergangenen Jahres Gläubigerschutz nach Abschnitt 11 des amerikanischen Konkursrechts beantragt. An den Verhandlungen nehmen Delphis Konzernchef Robert "Steve" Miller und GMs Finanzdirektor Frederick A. Henderson teil.

Die Schlüsselrolle könnte jedoch einem in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Mann zufallen. Er heißt David A. Tepper und leitet den 4,5 Mrd. Dollar (3,55 Mrd. Euro) schweren Hedgefonds Appaloosa Management, der 9,3 Prozent am Delphi-Aktienkapital hält. Delphi will sich im Rahmen seiner Restrukturierung bis Ende des Jahres von mehr als 20.000 Mitarbeitern oder 70 Prozent seiner Produktionsbelegschaft trennen und 21 der 29 Werke in den USA schließen oder verkaufen. Die ausscheidenden Mitarbeiter würden teilweise durch Vorruhestandsregelungen abgefunden. Die Verhandlungen stehen einem Bericht des Börsenblatts "The Wall Street Journal" am Montag zufolge kurz vor dem Abschluss.

Zwei Milliarden Investition

Der Fonds des 49-jährigen Tepper würde zwei Mrd. Dollar in Delphi investieren und nach Abschluss des Konkursverfahrens ein Drittel des Delphi-Aktienkapitals kontrollieren, so das Blatt. An der Börse schlossen Delphi am Freitag bei 1,60 Dollar. Die Aktie war am 6. März auf das Allzeittief von 3 Cent gefallen. Ein Abkommen würde das Tauziehen zwischen Delphi, seinen Aktionären, Gläubigern und GM beenden. Tepper ist davon überzeugt, dass sich mit Delphi nach dem Kahlschlag viel Geld verdienen lässt.

Delphis Konkursantrag war der größte in einer Reihe von Pleiten in der amerikanischen Autoindustrie. Der Ausgang der derzeitigen Verhandlungen ist deswegen in der Branche von hohem Interesse. Delphi stellt unter anderem Lenkungsteile, Bremsen, Armaturenbretter und Fahrzeugelektronik her. Mit weltweit 177.000 Beschäftigten setzte der Konzern im vergangenen Jahr 27 Mrd. Dollar um. Tepper gehört zu den wenigen, die fest daran glauben, dass die US-Hersteller nach der Abmagerungskur wieder Geld verdienen werden.

Arbeiter als Verlierer

Die Verlierer sind die Arbeiter. Der Präsident der Autoarbeitergewerkschaft United Auto Workers, Ron Gettelfinger, forderte deswegen in einer Rede im Juni eine Reform des Konkursrechts, um Arbeitgebern und "Pleitegeiern" das Handwerk zu legen. Teppers Einstieg bei Delphi dient Gettelfinger als Beispiel für den wachsenden Einfluss von Finanzinvestoren auf Großunternehmen und deren Mitarbeiter. Hedgefonds wie Teppers Appaloosa Management kaufen Aktien und Anleihen finanziell Not leidender Unternehmen und drängen danach das Management zu Restrukturierungen, um für ihre Partner höhere Renditen herauszuschlagen.

Obwohl Delphi schon vor sechs Jahres aus GM ausgegliedert wurde, ist noch immer nicht geklärt, ob GM oder Delphi für die Altersversorgung und Gesundheitsfürsorge der Delphi-Pensionisten verantwortlich ist. Tepper setzt darauf, dass der Konkursrichter Delphi von dieser Erblast befreit. Die Lücke zwischen Delphis Aktiva und Passiva würde hierdurch schmäler und Delphi könnte mit Hilfe von Teppers Milliarden seine Schulden zurückzahlen. Nach Informationen des "Wall Street Journal" will neben Appaloosa der Hedgefonds Harbinger Capital Partners, die Bank UBS AG und Merrill Lynch & Co Anteile am umgebauten Delphi-Konzern kaufen.

Delphi ist auch in Österreich vertreten, und zwar im Burgenland mit der Tochter Delphi Packard Austria in Großpetersdorf. (APA)

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