Ein verbitterter Alonso

9. Oktober 2006, 13:13
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Weltmeister schimpft: "Team hilft mir nicht" - Schumacher vor WM-Finale zuversichtlich - Reifen entscheiden WM 2006

Shanghai - Nach der kaum mehr für möglich gehaltenen Wende im WM-Kampf durch Formel-1-Rekordchampion Michael Schumachers famose Aufholjagd liegen bei Titelverteidiger Fernando Alonso die Nerven blank. "Die Mannschaft hilft mir nicht. Die ist viel mehr auf den Konstrukteurstitel fokussiert", klagte der Renault-Pilot nach dem Grand Prix von China.

Auch die spanische Presse sieht die größten Gegner des 25-Jährigen in dessen eigenem Team. "Alonso hat den Feind im eigenen Lager", glaubt "Marca". "AS" ist sogar überzeugt: "Renault verhindert einen Sieg Alonsos."

Renault hat es verbockt

Tatsächlich hatten ein katastrophaler Boxenstopp und eine schlechte Reifen- und Rennstrategie Alonso den Sieg in Shanghai gekostet. Während Teamchef Flavio Briatore rasch das Weite im "Reich der Mitte" suchte, polterte der künftige McLaren-Mercedes-Pilot nach seinem enttäuschenden zweiten Platz und dem erstmaligen Verlust der WM-Führung in Richtung des Renault-Reifenlieferanten Michelin: "Ich hoffe, dass sie uns für die nächsten beiden Rennen bessere liefern." Nach dem Qualifying hatte Alonso die guten Michelins noch ausdrücklich gelobt.

Selbst Renault-Technikchef Pat Symonds gestand ein: "Wir hätten in China gewinnen müssen. Wir hatten bei allen Bedingungen das schnellere Auto und deshalb gibt es keine Ausreden." Auch Alonso stellte klar: "Es war ein ganz schlechter Tag, denn wir hatten in China das klar schnellere Auto. Wir bekommen noch zwei Chancen und ich glaube fest daran, dass wir es noch schaffen können."

Ferrari in Hochstimmung

Ganz anders war die Stimmung bei Ferrari: Schon vor dem Rennen am kommenden Sonntag auf der für Schumacher geschichtsträchtigen Strecke in Suzuka/Japan wich den Mitgliedern der Scuderia das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Der Sieg in China sei doppelt wertvoll, ließ Schumacher am Montag über seine Homepage mitteilen: "Es war ein willkommener Motivations-Push, auch wenn wir den nicht wirklich brauchen: Wir sind alle heiß auf den Titel."

Schumacher, der nun beste Aussichten hat seine glänzende Karriere mit dem achten WM-Titel zu krönen, hatte schon am Sonntag seine Ferrari-Helfer gelobt: "Auch nach all diesen Triumphen, nach all diesen Erfolgen sind sie nach wie vor motiviert, und die Stimmung ist einfach spitzenmäßig."

25-Punkte-Rückstand wett gemacht

"Wenn man zurückschaut, wo wir nach Montreal lagen und Michael seinen ärgsten Rivalen nun eingefangen hat, ist das eine weitere Bestätigung dafür, niemals aufzugeben", meinte Teamchef Jean Todt. Sein Chefpilot machte binnen drei Monaten einen 25-Punkte-Rückstand auf Alonso wett. Der Spanier wartet seit dem 25. Juni auf einen Erfolg, während Schumacher fünf Siege in den vergangenen sieben Rennen schaffte.

Nach der Galavorstellung von China wurden wieder einmal Lobeshymnen auf den Renn-Rentner in spe angestimmt. "Nachdem ich mit Mühe einem Herzinfarkt entkommen bin, kann ich sagen, dass es wunderschön ist, auf diese Art und Weise in China zu siegen", meinte Ferrari-und Fiat-Chef Luca di Montezemolo. "Das war eine perfekte Mannschaft mit einem Super-Schumacher." Auch Ex-Weltmeister Niki Lauda schwärmte: "Das war eines der besten Rennen, das Michael je gefahren ist."

Schumacher, Held aller Medien

Die internationale Presse erging sich ebenfalls in Superlativen und huldigte dem neuen Spitzenreiter. Mit den Worten "Schumachers weltmeisterliche Heldentat" beschrieb die "Gazzetta dello Sport" die Fahrt des Deutschen zum 91. GP-Sieg in einem verloren geglaubten Rennen. "Man kann die klinische Präzision Michael Schumachers, dieses geborenen Siegers, nur noch bewundern", meinte die französische "L'Equipe". Und die deutsche Bild-Zeitung zog eine ganze Schriftzeile im Halbkreis über eine Doppelseite, lautend auf "Schumisupermegaturbogeilgöttlichgigagalaktisch".

Schon wird nach dem Sinn von Schumachers vor drei Wochen angekündigten Karriereende nach dem Saisonfinale in Brasilien gefragt. "König Michael. Aber wieso hört so ein Champion auf?", schrieb etwa "La Repubblica".

116:116

116:116 lautet der Punktestand zwischen Schumacher und Alonso in der Fahrerwertung vor den letzten beiden von insgesamt 18 Saisonrennen. Mit sieben Siegen ist Schumacher seinem Rivalen einen Erfolg voraus und damit nach seinem WM-Triumph am 24. Oktober 2004 zum ersten Mal wieder ganz vorne. Ein Sieg in Japan und keine Punkte für Alonso, der zuletzt mit seinem Team kleine psychologische Nadelstiche in Schumachers Richtung abgegeben hatte, und der Deutsche wäre sogar vorzeitig Weltmeister. "Wir können mit Recht optimistisch sein", befand Technik-Direktor Ross Brawn. "Wir dürfen aber nichts dem Glück überlassen."

Die Reifen werden auch in Suzuka wieder ein ganz entscheidender Faktor sein. "Sie können sich je nach Rennstrecke verändern", schränkte Schumacher ein. "Die Strecke hat uns aber immer gelegen. Drückt uns die Daumen - dann schaffen wir es irgendwie schon", forderte er die Fans auf, damit er in Sao Paulo nach seinem 250. WM-Lauf mit dem achten WM-Titel aus der Formel 1 aussteigen kann. Die Statistik spricht für Schumacher: Mit mindestens sieben Saisonsiegen holte er immer den Titel.

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    Die Körper verraten alles.

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