Warten auf Elsner und die Anklage

4. Oktober 2006, 10:51
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Staatsanwaltschaft in Aix-en-Provence wartet heute noch immer auf Kaution für den Ex-Bawag-Chef. Der Entwurf für die Anklage gegen Elsner liegt im Justizministerium

Marseille/Wien - Der frühere Bawag-Chef Helmut Elsner befand sich auch heute Dienstag nach wie vor in seinem Krankenzimmer in der Universitätsklinik La Timone in Marseille. Wie der zuständige Staatsanwalt Bertrand Charpentier um etwa 11 Uhr gegenüber Journalisten sagte, gebe es bis dato keine Hinweise, dass das Geld eingetroffen sei. Elsner befindet sich nach wie vor in der Herzstation der Universitätsklinik "La Timone" in Marseille und wird weiter von Polizisten überwacht.

Eine Variante

Der Anwalt Elsners, Wolfgang Schubert, erklärte gestern, es sei noch offen, ob die Kaution tatsächlich hinterlegt werde. Eine Variante sei auch, dass der 71-Jährige in La Timone bleibe, weil hier die Ärzte besser über seinen Gesundheitszustand Bescheid wüssten. Elsner wurde am Montagnachmittag auch noch von Polizisten bewacht. Die Kaution von einer Million Euro wollte der Geschäftsmann Martin Schlaff hinterlegen - als Geste seiner Freundschaft, wie er sagte. Schlaff steht in engen Geschäftsbeziehungen mit der Bawag. Die Kaution soll laut Informationen aus Kreisen um Schlaff gestern überwiesen worden sein. Nach Bankenangaben kann es allerdings ein bis drei Tage dauern, bis eine solche Überweisung eintrifft.

Die Chancen, dass die Bawag-Anklage noch in dieser Woche genehmigt wird, sind gering. Das deutete Werner Pürstl, der zuständige Sektionschef im Justizministerium, am Montagnachmittag an. "Der Vorhabensbericht wird derzeit von uns bearbeitet und geprüft", sagte Pürstl. Auf die Frage, wann mit der Enderledigung zu rechnen sei, meinte Pürstl: "Realistischerweise ist das schwer zu sagen". Mit der Genehmigung sei aber "eher nicht diese Woche" zu rechnen.

Im Ministerium

Zuletzt hatte die Oberstaatsanwaltschaft Wien den 106 Seiten starken Anklageentwurf "auf seine Plausibilität" geprüft, wie es seitens einer Behördensprecherin hieß. Seit vergangenem Donnerstagabend befinde sich das Papier im Ministerium.

Die Anklagebehörde will dem Vernehmen nach die Ex-Bawag-Generaldirektoren Elsner und Johann Zwettler, vier ehemalige Vorstände, den früheren Bawag-Aufsichtsratspräsidenten und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger, einen langjährigen Bawag-Bilanzprüfer und nicht zuletzt den Investmentbanker Wolfgang Flöttl vor Gericht bringen, dessen "Karibik-Geschäfte" den Kern der Anklage bilden. Den neun Verdächtigen wird - nach jeweiliger Beteiligung abgestuft - Untreue, schwerer Betrug, und Bilanzfälschung vorgeworfen, wobei der Gesamtschaden mit 1,5 Mrd. Euro beziffert wird. Elsner und Zwettler sollen von der Staatsanwaltschaft als Haupttäter betrachtet werden. Ihnen drohen im Fall von Schuldsprüchen bis zu zehn Jahre Haft. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2006)

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    Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner hielt sich auch am Montag noch im Spital La Timone in Marseille auf.

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