Preisverleihung ließ nach Entdeckung nicht lange auf sich warten

2. Oktober 2006, 17:21
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Renee Schroeder erfreut über die heurige Medizinpreis-Entscheidung: "Das ist toll. Und es ging so schnell"

Stockholm/Wien - "Das ist toll. Und es ging so schnell. Die beiden haben ja erst 1998 ihre Entdeckungen erstmals publiziert", zeigte sich am Montag die Wiener RNA-Forscherin Univ.-Prof. Dr. Renee Schroeder von den Max Perutz Laboratories begeistert über die Auswahl, die das Nobelpreiskomitee in diesem Jahr getroffen hat.

Schroeder über den Kernpunkt der Entdeckung der beiden US-Wissenschafter von der Stanford University in Kalifornien (Fire) und von Massachusetts Medical School (Mello): "Fire und Mello haben in Experimenten die RNAi am Fadenwurm C. elegans erkannt. Es zeigt sich, dass in allen höheren Lebewesen ein doppelsträngige RNA eine Art Alarmsignal darstellt. Sie wird daher abgebaut. Allerdings legt sie dabei auch alle der RNA entsprechende Gene still. Echt super, dass Fire und Mello den Nobelpreis bekommen haben. Beide sind echte internationale Wissenschafter."

lange Vorgeschichte

Den Erkenntnissen von Fire und Mello gingen allerdings - das betonte am Montag auch das Nobelpreiskomitee - jahrelange Forschungen anderer Wissenschafter voran. Philipp Leuschner vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien: "Die RNAi hat die Forschung genau so revolutioniert wie ehemals die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Heute ist es durch RNA-Interferenz möglich, ein Gen in einer Zelle binnen Stunden stillzulegen." Und weiter: "Einer dieser Wissenschafter (Jorgensen, Anm.) wollte Petunien mit einer besonders kräftigen Farbe schaffen. Er konstruierte daher Pflanzen, bei denen das entsprechende Gen besonders stark aktiv war. Er hat dieses Gen besonders stark aufgedreht. Doch der gegenteilige Effekt stellte sich ein. Diese Petunien blieben ziemlich farblos." Offenbar hatte die Überexprimierung der Erbinformation das Gen inaktiviert.

Dann gab es - noch in den achtziger Jahren - das Konzept, mit einsträngigen, zu DNA-Abschnitten komplementären RNA-Stücken, gewisse Gene zu blockieren. Das nannten die Wissenschafter Antisense-Technik. Doch auch das funktionierte nur zum Teil. Medizinische Anwendungen dafür gibt es bis heute nicht. Schließlich wurde erkannt, dass es beim Fadenwurm Gene gibt, die zwar nicht in Proteine übersetzt werden, aber ihre Funktion als RNA ausführen. Sie können beispielsweise das Gen Lin-4 kontrollieren, welches für die Entwicklung der Fadenwürmer notwendig ist.

"Fachwelt aufgerüttelt"

Leuschner: "Die Arbeiten von Fire und Mello haben schließlich 1998 die Fachwelt aufgerüttelt. Sie haben C. elegans-Würmern doppelsträngige RNA injiziert. Damit wurde das Gen mit der zur RNA komplementären DNA unterdrückt." (APA)

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    Renee Schroeder

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