Schwimmende Immobilien im Auftragsrausch

3. Oktober 2006, 01:01
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Schifffahrt-Beteiligungen sind in Deutschland seit Jahren fester Bestandteil der Vermögensanlage für Investoren. Langsam schwappt die Welle auch auf Österreich über

Fast 98 Prozent des weltweiten Warentransports erfolgt über den Seeweg. Kein Verkehrsträger hat sich als kostengünstiger, umweltfreundlicher und sicherer für große Gütermengen und weite Entfernungen erwiesen als dieser. Hintergrund des stark begünstigten Wachstums der Schifffahrtbranche ist die Globalisierung. Wer heute eine Jeans kauft, kann davon ausgehen, dass diese - so wie viele Produkte des täglichen Lebens - bereits drei bis vier Mal während der Produktion um den Globus gegangen ist. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Schiffen und damit auch das Interesse von Anlegern

Eine Schiffsbeteiligung ist die unternehmerische Beteiligung an einer Schifffahrtsgesellschaft bzw. direktes Investieren in den Welthandel.

Mindestanlage

Durch seine Beteiligung wird der Kapitalanleger Miteigentümer eines oder mehrerer Schiffe. Die Mindestanlage beträgt in der Regel 15.000 Euro und ist - je nach Laufzeit des Schiffes/der Schiffe - im Schnitt zwischen zwölf und 17 Jahre gebunden, so Elke Cerny, Vermögensberaterin von Save Your Money.

Rechtlich wird der Anleger dabei Kommanditist einer Kommanditgesellschaft (meistens einer GmbH & Co. KG) und hat dessen Rechte. Damit beschränkt sich auch sein unternehmerisches Risiko auf die Höhe der geleisteten Kommanditeinlage, so Cerny weiter. Die Kommanditgesellschaft erwirbt ein Schiff bzw. vergibt einen Neubauauftrag und verchartert es auf dem internationalen Schifffahrtsmarkt. Dadurch werden Einnahmen erzielt, aus denen die Betriebskosten, Zinsen, Tilgung des Schiffshypothekendarlehens sowie die Kosten der Gesellschaft beglichen werden. Aus darüber hinaus vorhandenen liquiden Überschüssen werden laufende, jährliche Auszahlungen geleistet, die im vorhinein definiert sind.

Ausschüttungen

Die Rendite eines Anlegers ergibt sich bei einer Schiffsbeteiligung aus den laufenden Auszahlungen sowie der Auszahlung bei Verkauf des Schiffes. Die Ausschütttungen während der Laufzeit inkl. Verkauf des Schiffes können mit über 200% (je nach Laufzeit) beziffert werden. Sie wird durch steuerliche Aspekte optimiert.

"Österreich-Schiff"

Die 1985 gegründete HCI-Gruppe legte im vergangenen Jahr mit der Jula S erstmals einen Fonds ausschließlich zur Zeichnung in Österreich auf. Mit Erfolg. Das "Österreich-Schiff" wird laut Unternehmensangaben aus heutiger Sicht rund 20 Prozent höhere Erträge erwirtschaften als im Prospekt verzeichnet. Der Grund sind höhere Frachtraten bei bisher planmäßigem Verlauf der Betriebskosten. Georg Kesselgruber, Österreich-Chef von Europas größtem bankenunabhängigen Emissionshaus für Schifffahrt-Beteiligungen: "Bisher haben sich rund 1.000 Österreicher für die 'schwimmenden Immobilien' von HCI interessiert. Insgesamt haben wir Kommandit-Beteiligungen im Wert von 50 Millionen Euro bei österreichischen Anlegern platziert."

Die HCI-Gruppe bietet Anlegern in Österreich zwei Investment-Varianten an:

Bei der klassischen Form beteiligt sich der Investor - wie oben erwähnt - mit einem Einmalertrag. Aber auch mit einem weniger reichlich ausgestatteten Portemonnaie ist man dabei: Einmalig in Österreich bietet HCI mit dem Aufbauplan IV Schiff den so genannten "Kapitalaufbau" an: Mit beispielsweise 100 Euro monatlich wird fünf Jahre lang bei einer Vertragssumme von 7.500 Euro angespart (der Fonds ist trotzdem geschlossen). Bei dieser Variante ist ein 20-prozentiger Einmalertrag zu leisten. Ab dem sechsten Jahr erfolgt die erste Ausschüttung.

Steuerlich sind die Renditen als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu definieren.

Österreich stellt die Einkünfte unter Progressionsvorbehalt von der Besteuerung frei. Das Doppelbesteuerungsabkommen Österreich - Deutschland weist das Besteuerungsrecht Deutschland zu. Die in Deutschland anfallende Einkommensteuer ist von der Höhe des jeweiligen Anlegers abhängig, beträgt jedoch mindestens 15 Prozent zzgl. Solidaritätsbeitrag.

Der Gesellschafter hat während des Schiffsbetriebes jedes Jahr den gleichen - sehr geringen - Gewinn zu versteuern. Es gibt keine Verluste in der Anfangsphase und bei Veräußerung des Schiffes oder des Anteils ist kein Veräußerungsgewinn zu versteuern, so Vermögensberaterin Cerny.

Allgemeine Risikofaktoren

Neben Ein- und Verkaufsrisiko, Charterraten und Betriebskosten gehört das Währungsrisiko zu den für den Anleger relevanten Stellschrauben. Von den sich derzeit in Österreich auf dem Markt befindlichen zwölf Schiffen der HCI ist ein Drittel in Dollar finanziert. Kesselgruber: "Ein Schiff, das in Dollar eingekauft wird, wird in Dollar betrieben und in Dollar finanziert. Erst wenn es veräußert wird, könnte der Wechselkurs eine Rolle spielen, dieser ist aber erfahrungsgemäß nicht so bedeutend. Wichtig ist, dass die Ausschüttungen und Sonderausschüttungen in Euro erfolgen."

Derzeit befinden sich in Österreich zwei HCI Schiffsbeteiligungsfonds auf dem Markt: Der Shipping Select XVII und der Shipping Select XX. Ersterer setzt sich aus fünf Containerschiffen, einem Mehrzweckfrachtschiff und einem Gastanker zusammen. Anleger leisten eine Einmalbeteiligung ab 10.000 Euro. Die Erträge werden mit sieben bis zwölf Prozent jährlich prognostiziert. Die planmäßige Veräußerung des Schiffs soll im Jahr 2022 erfolgen bzw. bei entsprechender Marktlage und Zustimmung der Gesellschafter auch früher. Insgesamt wird mit einem Gesamtmittelrückfluss vor Steuern in Höhe von 227,53 Prozent (inklusive Rückzahlung des eingesetzten Kapitals) gerechnet.

Auch mit dem Beteiligungsangebot des Shipping Select XX wird das Dachfondskonzept fortgeführt: Aus der Kombination von Schiffen unterschiedlicher Größe aus mehreren Teilmärkten mit verschiedenen Charakteren, Charterlaufzeiten, Reedereien und Bauwerften ergibt eine breite Risikostreuung innerhalb des Fonds.

Nordcapital startet Vertrieb

Auch das Hamburger Emissionshaus Nordcapital bietet seine Vermögensanlagen seit Neuestem in Österreich an. Die Unternehmensgruppe ist seit Jahren in den Bereichen Schifffahrt, Immobilien und Private Equity tätig. Durch die Strukturierung von Projektfinanzierungen sowie die rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Konzeption geschlossener Beteiligungsangebote ermöglicht sie privaten und institutionellen Investoren, sich in aussichtsreichen Märkten zu engagieren. Seit Gründung der Nordcapital im Jahr 1992 wurde ein Investitionsvolumen von rund 4,8 Milliarden Euro realisiert. Rund 40.000 Investoren sind mit 2,0 Milliarden Euro Eigenkapital in 102 Nordcapital-Fonds investiert.

"In Deutschland sind geschlossene Fonds seit langem ein fester Bestandteil der Vermögensanlage anspruchsvoller Investoren. In Österreich gewinnt dieses Anlagesegment zwischen festverzinslichen Wertpapieren, Aktien und anderen Anlageformen zunehmend das Interesse von vermögenden Privatkunden und institutionellen Investoren", erklärt Hans-Jürgen Kaiser-Blum, Geschäftsführer des Nordcapital Emissionshauses. "Im Hinblick auf eine optimale Asset-Allokation der Kundenportfolios beziehen immer mehr Banken und Vermögensverwalter in Österreich geschlossene Fondsprodukte in ihre Anlageberatung mit ein. Daher werden wir unsere Angebote in Zukunft verstärkt auch österreichischen Anlegern zugänglich machen."

Den Auftakt hierzulande bildet der aktuell auch in Deutschland zur Zeichnung angebotene Schiffsfonds MS "Voge Master". Private Investoren können sich an diesem Massengutfrachter, im Fachjargon "Bulkcarrier" genannt, ab einer Summe von 15.000 Euro beteiligen. Die Chartereinnahmen ermöglichen plangemäß Auszahlungen an die Kommanditisten in Höhe von sieben Prozent p.a., auf 22 Prozent p.a. steigend. Während der Festlaufzeit sollen zudem bereits 43 Prozent des Schiffshypothekendarlehens getilgt werden. Ein weiterer Vorteil ist die günstige Pauschalbesteuerung durch die Tonnagesteuerregelung, von der auch Anleger in Österreich profitieren. Laufende Erträge und Veräußerungsgewinne sind damit weitgehend steuerfrei.

Kühlschiffe von MPC Austria

Auch die MPC Capital Austria AG, größter Anbieter von geschlossenen Fonds in Österreich, legte im Frühjaht eine neue Schiffsbeteiligung zur Zeichnung auf.

Die MPC Reefer Flotte (Gesamtinvestitionsvolumen 404.631.000 Euro) – die größte jemals in Österreich angebotene Schiffsbeteiligung – investiert in 14 der modernsten und größten Kühlschiffe (Reefer) der Welt und gibt österreichischen Anlegern die Möglichkeit ab sofort vom stetig wachsenden Transportmarkt von Kühlgütern auf dem Seeweg zu partizipieren.

Die geplante Laufzeit beträgt 14 Jahre, die Mindestzeichnungssumme 10.000 Euro. "Die geplante Durchschnittsausschüttung vor Steuern beläuft sich auf rund 10 Prozent zzgl. Verkaufserlös", informiert Peter Maierhofer, Vorstand MPC Capital Austria AG. "Ein großer Wettbewerbsvorteil der 'MPC Reefer Flotte' besteht in der Auslastung der Schiffe durch den Seatrade Reefer Pool, dem weltweit größten Pool für Kühlschiffe, zu dessen Kundenkreis namhafte Unternehmen wie Chiquita und Dole zählen," erklärt Maierhofer.

"MPC Capital AG hat insgesamt weit über 100 Schiffsbeteiligungen erfolgreich emittiert und setzt speziell für den österreichischen Markt konsequent auf langfristig abgesicherte Produkte und damit neben der Volumens- auch weiter auf die qualitative Marktführerschaft", so Maierhofer. (Sigrid Schamall)

  • Kesselgruber: 98 Prozent aller waren wird weltweit zur See mit Frachtschiffen transportiert. Simpel und einfach aufgrund der Tatsache, weil es kein günstigeres Transportmittel gibt und Beamen noch nicht erfunden ist.
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    Kesselgruber: 98 Prozent aller waren wird weltweit zur See mit Frachtschiffen transportiert. Simpel und einfach aufgrund der Tatsache, weil es kein günstigeres Transportmittel gibt und Beamen noch nicht erfunden ist.

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