Spätentscheider bestimmten Ergebnis

2. Oktober 2006, 17:54
47 Postings

Höchster Wert seit es Umfragen gibt - Pensionisten wählten SPÖ - "Männerpartei" FPÖ

Wien - Das Ergebnis der Nationalratswahl 2006 wurde zu einem großen Teil von Spätentscheidern beeinflusst, lautete die zentrale Aussage der Wahlforscher Fritz Plasser und Peter Ulram in einer ersten Nachwahlanalyse am Montag. 24 Prozent hätten erst in der Zeit des Intensivwahlkampfes beschlossen, wer ihre Stimme erhalten soll, dies ist der höchste Wert, seit es solche Umfragen in Österreich gibt. Auch die Anzahl der Wechselwähler - die höchste seit drei Jahrzehnten - stieg parallel dazu auf 26 Prozent an.

Rechtfertigung

Die Pressekonferenz der zwei Experten begann nach Kritik, vor allem des BZÖ, mit einer Rechtfertigung: Das Ergebnis mit der SPÖ auf Platz eins habe so nicht vorausgesehen. Das liege vor allem daran, dass das Wahlverhalten der Spätentscheider stark von jenem des Rests abweiche. Dies, so UIram, sei eine "zunehmende Herausforderung für die Meinungsforschung", im Vergleich zur Nationalratswahl 2002 ist dieser Wert um fünf Prozent gestiegen, insbesondere vier von zehn "Zuwanderern" zu SPÖ und FPÖ haben sich erst in den letzten Tagen definitiv festgelegt. Telefonisch befragt wurden am Wahlsonntag 1.982 Wahlberechtigte.

SPÖ profitierte von Wechselwählern

Von den Wechselwählern hat diesmal vor allem die SPÖ profitiert, für die sich 24 Prozent entschieden haben, gefolgt von der FPÖ mit 17 Prozent und dem BZÖ mit 16 Prozent. Ihre Wähler halten konnte vor allem die SPÖ mit 85 Prozent, sie verlor jeweils 4 Prozent ihrer Wähler von 2002 an FPÖ und Grüne, je 2 Prozent an ÖVP und Hans Peter Martin, "praktisch niemanden" an das BZÖ. Nur drei Viertel ihrer Wähler konnte hingegen die ÖVP halten. Sollte das BZÖ auch nach Auszählung der Wahlkarten im Parlament vertreten sein, dann fast ausschließlich durch Zugewinne von ÖVP und FPÖ.

Männerpartei

Bauen konnte die SPÖ bei der Wahl vor allem auf ältere Menschen, hier lag sie diesmal deutlich vor der ÖVP, die etwa bei Pensionisten verlor, eine Mehrheit der jüngeren Generation aber für sich verbuchen konnte. Als "Männerpartei" entpuppte sich die FPÖ, die 12 Prozent in dieser Gruppe erreichte, nur 9 Prozent Frauen wählten die Mannschaft von Parteichef Heinz-Christian Strache. Die ÖVP erlitt bei Männern mit minus 11 Prozent weit höhere Verluste als bei Frauen (minus 6 Prozent). Überwiegend weiblich ist die Grüne Wählerschaft, nämlich zu 57 Prozent, 60 Prozent sind dazu unter 45 Jahren.

Arbeiterpartei

Die SPÖ konnte sich als Arbeiterpartei behaupten, 48 Prozent der un- und angelernten Arbeiter wählten Rot. Traditionsgemäß fischte die ÖVP hingegen unter den Landwirten mit 80 Prozent der Stimmen, von Selbstständigen und Freiberuflern erhielt man 38 Prozent. Einen Trend zu den Grünen gab es unter den Beamten (20 Prozent). Auch die Schulbildung der Wähler war für deren Verhalten bestimmend: So erreichte die SPÖ fast jeden Zweiten in der untersten Bildungsschicht, also jene Menschen mit Pflichtschulabschluss. Hier kam die ÖVP auf 31 Prozent, die vor allem Akademiker anzog (37 Prozent), gefolgt von der SPÖ (26 Prozent) und den Grünen (21 Prozent). (APA)

Share if you care.