Horizonterweiterung

11. Oktober 2006, 14:16
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Zu Michael Kreihsls „Heimkehr der Jäger“

In Michael Kreihsls wortkargem Film Heimkehr der Jäger werden wohl nicht zufällig immer wieder Fragen gestellt, auf die die Befragten nicht antworten. Es gibt keine Antworten mehr. Ein wenig so ist der ganze Film: Eine winterliche, elegische Erzählung, die viele Fragen offen lässt. Wie ein altes Bild, wie eine eisige Landschaft von Brueghel.

 

Österreich könnte in einem verschwundenen Flandern liegen. Michael Kreihsl versucht etwas mit seinen Filmen, was im Filmschaffen dieses heute kleinen Landes, mit seiner international nicht eben bedeutenden Filmproduktion höchst selten ist. Er macht Österreich weiter, verengt es nicht (auf Klischees und Kabarett). Michael Kreihsl arbeitet an seiner eigenen filmischen Ikonografie und Topografie. Aber man muss nicht alle literarischen oder kunsthistorischen Bezüge von Thomas Bernhard bis Vermeer erkennen, man kann ganz einfach auch der lakonischen Erzählung von einem Amoklauf lauschen.

Michael Kreihsls Film Heimkehr der Jäger ist zwar nicht frei von jenen unvermittelten Ausbrüchen von Gewalt, wie wir sie aus den stillen Bildern Brueghels kennen, er entwirft aber auch das Tableau einer zaghaften Liebesgeschichte und einer Bewunderung für eine wortlose Schönheit, um die er sich anschickt zu kämpfen.*

Michael Kreihsl über seine Vorlieben für Gemälde und Museen: Schon als Kind bin ich gerne in Museen gegangen, weil ich aus den Gemälden etwas herauslesen konnte, was nicht logisch oder kognitiv erfahrbar ist: Sachen, die man nur übers Auge erfahren kann. Auch im Film gibt mir das „Bildnis“ oft zu wenig, da sehe ich oft nur sprechende Köpfe. Über die Wortkargheit: Sprachlosigkeit ist natürlich auch Thema des Films. Denn Bilder sind ja nicht geschwätzig. Es gibt zwei Welten: Die des Museums und die Alltagswelt, die den Kopisten aus dem Tritt bringt, in die Selbstfalle lockt. Die Sensibilität für Details zerfällt in der Supermarktwelt. Wie bei Charms Zwischenfälle geht es um einen Mann, der verschwindet.

Über Ernst, Humor und Originalität: Ich glaube, dass Heimkehr der Jäger gar nicht so ein ernster Film ist, dennoch liegt seine Unterströmung näher an der Oberfläche als beim Charms-Film. Das Biografische an meinem neuen Film ist natürlich der Verlust und das Verschwinden von Dingen, die unsere geistige Nahrung waren. Apropos Verschwinden: Viele unserer Motive haben sich nach dem Dreh in Luft aufgelöst, d.h. wurden abgerissen oder total renoviert. Jedenfalls hoffe ich, dass mein Film als ein originär österreichischer auch in Polen oder Südafrika verstanden wird. Mein Weg ist ein poetischer, der gewiss aus unserem östlichen Dunstfeld von Bernhard bis Kafka zu verstehen ist. Wir sind dabei, unsere originäre Erzählweise zu entwickeln.

*Auszug aus einem Kurzessay von Gernot Zimmermann (Film-Presseheft)

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