Gerhard Ruiss: "Kunst und Kultur auf Ministerhöhe"

9. Jänner 2007, 13:17
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Geschäftsführer der IG AutorInnen sieht Kulturagenden derzeit als "Aufputz für das Kanzleramt" missbraucht

Wien - "Egal, wie es heißt, wir wollen, dass Kunst und Kultur auf Ministerhöhe behandelt wird." Deutlich äußerte sich Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren, über seine Erwartungen an eine SP-geführte Regierung. Dass Kunst weisungsgebunden an den jeweiligen Kanzler ist, wie es mit einem Staatssekretariat der Fall gewesen ist, sei für Ruiss "nicht im Sinne der Kunst". Auf diese Weise werde Kultur als "Aufputz für das Kanzleramt" missbraucht.

"Kulturfinanzierung demokratisieren"

Als durchführbare Sofortmaßnahmen in der Kulturpolitik nannte Ruiss gegenüber der APA etwa die Neubestellung von Jurys und Beiräten, bisher "dahingeschleppte Fördermodelle" gehörten neu angekurbelt. Auch die Transparenz, die in den 70er und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts angedacht worden war, solle neu geschaffen werden. Man müsse die Kulturfinanzierung "auf der Stelle demokratisieren", auch Auskunfts- und Beschwerderechte müssten ermöglicht werden.

Statt der "Geheimdiplomatie der letzten Jahre" wünsche er sich öffentlich einsehbare Prozesse. "Sofort in die Höhe fahren" müsse man auch das Kunstbudget, das im Moment den "zweitkleinsten Posten" besetze. Die SPÖ müsse vor allem die Infrastruktur stärken, lediglich repräsentative Strukturen seien zu wenig. Die ÖVP sei für Volks- und Hochkultur gestanden, Ruiss erwartet sich eine "Verselbstständigung des Künstlers, ohne ihn in die Wirtschaft zu entlassen." Auch sei es dringend notwendig, Rechte für Autoren zu schaffen, etwa das Urhebervertragsrecht, wie es in Deutschland besteht, auch die Künstlersozialversicherung müsse reformiert werden.

"Vorstellbar am Beginn die wenigsten"

Wunschbesetzung für das Ministerium hat Ruiss keine. "Vorstellbar waren am Beginn ihrer Tätigkeit die wenigsten. Man muss nach einem halben Jahr schauen, was sie gemacht haben", so Ruiss. Einen weiteren Versuch zu starten, einen Künstler in dieses Amt zu heben, hält er nicht für zielführend. Für die SPÖ sei es nun an der Zeit, sich an das "Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik" von 1999 zu erinnern, das unter Mitwirkung zahlreicher Künstler erarbeitet worden war. (APA)

  • Gerhard Ruiss fordert "Kunst und Kultur auf Ministerhöhe"
    foto: fischer

    Gerhard Ruiss fordert "Kunst und Kultur auf Ministerhöhe"

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