Filmregisseur Frank Beyer 74-jährig gestorben

12. Oktober 2006, 19:55
1 Posting

Deutscher inszenierte mit "Jakob der Lügner" einzigen DDR-Film, der jemals eine Oscar-Nominierung erhielt

Berlin - Der deutsche Filmregisseur Frank Beyer ist am Sonntag in Berlin im Alter von 74 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Dies teilte seine Lebensgefährtin Karin Kiwus von der Berliner Akademie der Künste mit. Unter den bekannten ostdeutschen Filmemachern zählte Beyer zu den bedeutendsten Regisseuren der DDR-Filmgesellschaft Defa. Berühmt wurde Beyer auch über die Grenzen seines Landes hinaus mit dem 1965 verbotenen Film "Spur der Steine" mit Manfred Krug als anarchistischem Brigadeführer und mit "Jakob der Lügner" (1974). Nach dem Ende der DDR verfilmte er Erich Loests Roman "Nikolaikirche" über die Massendemonstrationen in Leipzig im Herbst 1989.

"Größte Erfolge, schlimmste Niederlagen"

In seiner Generation von DDR-Filmemachern sei er möglicherweise der mit den "größten Erfolgen und den schlimmsten Niederlagen", schrieb er in seiner Autobiografie "Wenn der Wind sich dreht". "Spur der Steine" gilt als der berühmteste "Verbotsfilm" der Defa.

Dass auch im wiedervereinigten Deutschland schmerzliche Erfahrungen nicht ausblieben, zeigte der Abbruch der Fernsehverfilmung des Uwe-Johnson-Romans "Jahrestage" kurz vor Drehbeginn 1998. Sie scheiterte am Zerwürfnis mit der Produktionsfirma.

Beyer wurde am 26. Mai 1932 in Nobitz in Thüringen geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der Prager Filmhochschule. Schon sein Debüt "Mütter" (1957) verwies auf eines seiner großen Themen: Die Auseinandersetzung mit dem Nazi-Regime. Dem Film "Fünf Patronenhülsen" (1960) über den Spanischen Bürgerkrieg folgte "Nackt unter Wölfen" (1962). Die Darstellung der authentischen Überlebensgeschichte eines Kindes im KZ Buchenwald wurde auch im Westen bekannt. Beyer erhielt den DDR-Nationalpreis 1. Klasse. "Jakob der Lügner" (1974) nach dem Roman von Jurek Becker über einen Juden im Warschauer Getto, der mit fingierten Radiomeldungen ein bisschen Hoffnung zu verbreiten versucht, wurde als einziger Defa-Film für einen Oscar nominiert.

Vielseitig

Dass Beyer sich weder auf ein Thema noch einen Stil festlegen lassen wollte, machte er mit der Komödie "Karbid und Sauerampfer" (1964) mit Erwin Geschonneck klar, einer Art Roadmovie aus den ersten Nachkriegstagen. "Spur der Steine", konfliktgeladener DDR-Alltag nach dem Roman von Erik Neutsch, brachte ihn in den Ruf, die "Rolle der Partei und des Staates" zu verunglimpfen.

Der mit "Hausverbot" bei der Defa Abgestrafte arbeitete sich am Theater und übers Fernsehen langsam wieder ins Metier zurück. Der ständige "Unruhestifter" wurde schließlich aus der Einheitspartei SED rausgeschmissen.

Seit Anfang der 80er Jahre gehörte Beyer zu den "privilegierten" Künstlern, die im Westen arbeiten durften. "Der König und sein Narr" war dort sein erstes Projekt. Auch die Defa lenkte plötzlich wieder ein. Es entstand der Film "Der Aufenthalt" (1982) nach dem Roman von Hermann Kant. Und eine Sensation für das Ost-Publikum: Beyer drehte sogar bei der Produktion "Der Bruch" (1989) mit gesamtdeutscher Starbesetzung (Götz George, Otto Sander und Rolf Hoppe).

Der Film "Abgehauen" (1998) nach dem Buch von Manfred Krug über die Hintergründe der Ausreisewelle ostdeutscher Künstler nach der Biermann-Ausbürgerung 1976 reflektierte ebenfalls ein Stück der eigenen Lebensgeschichte. 1991 wurde Beyer für sein Lebenswerk mit dem Bundesfilmpreis geehrt. (APA/dpa)

  • Artikelbild
    foto: www.arts.uwaterloo.ca
Share if you care.