EADS-Umbau zeichnet sich ab - Airbus soll Eigenständigkeit verlieren

10. Oktober 2006, 11:14
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Lieferverzögerung bei A380 erhöhen Druck zu Umstrukturierungen - Maßnahmenpaket soll 2 Milliarden Euro Einsparungen bringen

Hamburg - Nach Bekanntgabe erneuter Lieferverzögerungen bei seinem Airbus-Prestigeobjekt A380 plant der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS nach übereinstimmenden Zeitungsberichten weitere umfassende Umstrukturierungen. Wie die "Financial Times Deutschland" am Montag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, will EADS will seine Tochter Airbus an die kurze Leine nehmen. Die bisher weitgehende Selbstständigkeit des Flugzeugbauers werde fallen, schreibt die Zeitung. Airbus brauche "radikale Veränderungen sowohl bei den Kostenstrukturen als auch in der Organisation und den Ablaufprozessen".

Laut der französischen "Les Echos" sollten durch die geplanten Umstrukturierungen jährlich rund zwei Mrd. Euro eingespart werden. Das Pariser Wirtschaftsblatt "La Tribune" nannte über eine bis drei Milliarden Euro.

Der Sparplan von Airbus-Chef Christian Streiff sieht den Berichten zufolge eine Neuverteilung der Aufgaben zwischen den Werken in Europa beim Zusammenbau der Flugzeuge vor. Die industriellen Abläufe sowie die Fertigungsstätten sollten reorganisiert, strategisch unwichtiger Produktionsstätten verkauft werden, so "Les Echos". Durch einen bereits bestehenden Umstrukturierungsplan aus dem Jahr 2003 sollten ursprünglich bis 2006 jährlich 1,5 Mrd. Euro eingespart werden.

Werk in Hamburg

Im Zuge der neuerlichen Sanierung könnte laut der französischen Zeitung etwa das Werk in Hamburg von der Produktion des Riesenflugzeugs A380 ausgeschlossen werden. Demnach würden Großflugzeuge wie der A380 wahrscheinlich nur noch im französischen Toulouse zusammengebaut; Hamburg würde dagegen den Bau von kleineren Maschinen bekommen. Laut "La Tribune" könnte das deutsche Werk stärker am Bau des A320, aber auch möglicherweise am A350 beteiligt werden.

EADS war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die Großaktionäre um DaimlerChrysler und die französische Lagardère-Gruppe wollten nochmalige Fehlprognosen zu den Lieferplänen für den neuen Airbus A380 vermeiden, berichtet die "FTD". Vor diesem Hintergrund habe der Verwaltungsrat des Konzerns am Freitag das vom neuen Airbus-Chef vorgelegte Maßnahmenbündel noch nicht verabschiedet. Zunächst wolle das Gremium noch offene Fragen geklärt haben. Dies solle in den kommenden drei Wochen geschehen, so die "FTD". "La Tribune" schrieb, dass der Rat schon am Dienstag erneut zusammenkommen sollte, in "Les Echos" hieß es, der Sanierungsplan werde am Mittwoch den Gewerkschaftsvertretern bei einem Treffen des Konzernbetriebsrats in Toulouse präsentiert werden.

Krisengeschüttelt

EADS war in den vergangenen Monaten von Krisen geschüttelt worden. Zuletzt hatte der Konzern mitgeteilt, dass sich die Lieferung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 weiter verzögert. Bereits jetzt liegt der europäische Konzern mehr als ein Jahr hinter den Auslieferungsplänen zurück. Laut "FTD" könnte sich die Auslieferung des Superjets A380 wegen der strukturellen Probleme im Konzern nochmals verzögern. Spekulationen gingen von bis zu einem Jahr aus, hieß es.

Durch die Mitte Juni veröffentlichte Verzögerung entgingen dem Unternehmen bis 2010 bereits zwei Mrd. Euro Gewinn. Außerdem werde der schwache US-Dollar zunehmend zum Problem. Flugzeuge werden üblicherweise in Dollar abgerechnet, Airbus produziert aber im Euro-Raum.

Fortsetzung der Beratungen am Dienstag

Der Aufsichtsrat von EADS wird sich am Dienstag erneut zu Diskussionen über die Probleme beim A380 treffen. Dies wurde am Montag aus Branchenkreisen bekannt. Am Freitag hatte es eine Krisensitzung des EADS-Verwaltungsrats gegeben, bei der unter anderem über eine Umorganisation der Airbus-Fertigung gesprochen wurde. Es wurden aber keine Entscheidungen getroffen. Stattdessen wurde angekündigt, die Beratungen würden "in naher Zukunft" fortgesetzt. (APA/dpa/AFP/Reuters)

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