Schriftstellerin Johanna Moosdorf gestorben

28. Juni 2000, 18:35

Verfasserin der Romane "Nebenan" und "Die lange Nacht" verstarb bereits am 21. Juni

Berlin/Frankfurt/Main - Drei Wochen vor ihrem 89. Geburtstag ist die Schriftstellerin Johanna Moosdorf, die während des "Dritten Reiches" von den Machthabern verfolgt wurde, in Berlin gestorben. Wie der Fischer Taschenbuch Verlag am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte, starb die Verfasserin der Romane "Nebenan" und "Die lange Nacht" bereits am 21. Juni.

Johanna Moosdorf wurde von den Nazis mit Schreibverbot belegt. Ihr erster Mann, der jüdische Politik-Hochschuldozent Paul Bernstein, wurde von den Nazis verfolgt. Sie konnte zwar noch seine vorübergehende Freilassung erreichen, er kam jedoch 1944 im KZ Auschwitz ums Leben. Die Autorin musste untertauchen.

Nach Kriegsende und einem kurzen Intermezzo als Feuilleton-Redakteurin bei der "Leipziger Volkszeitung" schrieb die gebürtige Leipzigerin, die seit den 20er Jahren Bücher publiziert hatte, Gedichte und Romane. Zudem gab sie für kurze Zeit die Literaturzeitschrift "März" heraus. In ihrem Roman "Nebenan" (1961) geht es um die Frau eines ehemaligen SS-Arztes, in dem Werk "Die lange Nacht" (1963) um einen im Krieg Erblindeten. Beide Bücher erschienen im Suhrkamp Verlag.

1950 siedelte die Autorin nach West-Berlin über. In der Folge veröffentlichte sie unter anderem "Flucht nach Afrika" (1952), "Der Himmel brennt" (1955), "Die Andermanns" (1969) und die im Fischer Taschenbuch Verlag erschienenen Bände "Freundinnen", "Fahr hinaus", "Jahrhunderträume" und "Die Tochter". Die Schriftstellerin erhielt unter anderem den Thomas-Mann-Preis (1950), den Zuckmayer-Preis (1952) und den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund (1961). (APA)

  • Artikelbild
Share if you care.