Pechsträhne hält an, Kurs stürzt ab

19. Oktober 2006, 13:47
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Für den Sportwettenanbieter kommen Hiobsbotschaften auf dem laufenden Band: Jetzt hat der US-Kongress ein Gesetz erlassen, das Onlinewetten über Kreditkarten unterbinden wird

Wien/Washington - Kürzlich mussten die beiden Vorstände des Online-Wettunternehmens Bwin wie berichtet ein langes Wochenende in einem französischen Gefängnis verbringen, das sie erst gegen Kaution wieder verlassen durften. Gerade eine Woche auf freiem Fuß, erreicht die Unternehmenschefs Manfred Bodner und Norbert Teufelberger die nächste schlechte Nachricht, diesmal aus den USA: Der Kongress verabschiedete am 30. September ein Gesetz, wonach es für Kreditkartenfirmen ungesetzlich ist, Zahlungen für Internetwettseiten zu sammeln. Damit ist der lukrative US-Markt verschlossen für die stark expandierenden Sportwettenanbieter.

Die Kurse der börsennotierten Wettanbieter liefen daraufhin in ein Gemetzel: Bwin-Aktien, ohnehin nur mehr ein Schatten ihrer selbst, wenn man die Werte des Vorjahres hernimmt, verloren mehr als 35 Prozent an Wert. Die Konkurrenz: Sportingbet verlor ganze zwei Drittel, Partygaming mehr als die Hälfte ihres Werts.

Der aufgrund der Reaktionen auf das Nationalratswahlergebnis ohnehin schon angeschlagene Wiener Leitindex ATX wurde vom Bwin-Kursverfall zusätzlich belastet).

"Das Gesetz ist nur mehr eine Präsidenten-Unterschrift weit weg, um in Kraft zu treten, und das könnte eine ernsthafte Bedrohung für das Geschäftsmodell einiger am Markt aktiver Unternehmen bedeuten", so ein amerikanischer Analyst. US-Präsident George W. Bush dürfte binnen zwei Wochen unterzeichnen.

Bei Bwin übte man sich am Montag in Zweckoptimismus: Derzeit sei es noch sehr schwer, die Auswirkungen des neuen geplanten US-Gesetzes auf das Internetwettspielgeschäft von Bwin festzustellen, so eine Sprecherin. "Die Lage ist noch recht unübersichtlich, unsere Anwälte sind seit dem Wochenende bemüht, hier Klarheit hineinzubringen." Für Branchenkollegen ist hingegen klar: Wenn das Gesetz kommt, werde man in den USA keine Wetten mehr anbieten. (Reuters, APA, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2006)

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